Tsunami SüdasienSieben Wochen nach der Flut droht Tsunami-Kindern eine neue Gefahr: Unterernährung.

12-02-2005

Die kleine Marlina weint. Sie stößt die Milchtasse von sich, ihre Hand krallt sich an das T-Shirt der Mutter. Wenige Sekunden später greift sie erneut nach der Tasse. "Ein gutes Zeichen", sagt Dr. Widyastuti Endang, Ärztin und CARE-Ernährungsexpertin in der Aceh-Region. "Marlina hat den Appetit wieder gefunden. Bei akuter Unterernährung bleibt das Hungergefühl irgendwann aus." Marlina ist zwei Jahre alt und wiegt knappe 7,3 kg - fast fünf Kilo weniger, als ein durchschnittlich ernährtes Kind ihres Alters. Durchfall und ein Mangel an Nahrung, besonders Gemüse und Proteinen ließen sie in den letzten Wochen drastisch an Gewicht verlieren. "Im Lager ist es schwierig. Ich habe alles versucht, was in meiner Macht stand, sie wieder gesund zu bekommen. Plötzlich lehnte sie Nahrung ganz ab. Da bekam ich Angst", sagt ihre Mutter Nuraisyah.

12,7 Prozent aller Kinder in den Flut-Opfer-Lagern Indonesiens sind nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation derzeit akut unternährt. "Eine so hohe Prozentzahl nur sieben Wochen nach der Katastrophe ist extrem besorgniserregend", so Dr. Endang. Die fatale Kombination aus erlebtem Trauma, plötzlich verwitweten Vätern oder Geschwistern, die keine Erfahrung im Kochen haben, beengten Lebensverhältnissen in den Lagern und einem nur mangelhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser, frischem Gemüse und Obst ist die Ursache und gefährdet vor allem die unter Fünfjährigen. "Wenn wir jetzt nicht sofort reagieren, sind besonders die Kleinkinder zu geschwächt, um sich gegen einfache Infektionen zu schützen und diese zu überleben", sagt Dr. Endang. "Gelingt es, wie im Fall von Marlina früh einzugreifen, ist Unterernährung einfach behandelbar." Die Ärztin zeigt Marlinas Mutter wie sie aus Milchpulver, Pflanzenöl und Zucker eine energiereiche Milch anrühren kann, die Marlinas Magen verträgt und sie alle zwei Stunden mit dem Wichtigsten versorgt. Zusätzliche Vitamin A-Tabletten und eine Schachtel mit Proteinkeksen sorgen dafür, dass Marlina innerhalb von Tagen wieder an Gewicht zunehmen und bald wieder normal essen können wird.

Um Kinder vor Unterernährung zu schützen verteilt CARE Multivitamine, Vitamin A- und eisenhaltige Nahrungszusätze an derzeit 175.000 Familien in der Aceh Region. 32.000 betroffene Kinder unter fünf Jahren mit typischen Anzeichen von Unterernährung - Blähbauch, schlaffe Haut, Durchfall - sowie Schwangere und stillende Mütter werden besonders betreut. Dafür leben und arbeiten derzeit 51 lokale CARE Gesundheits- und Ernährungstrainerinnen in 44 verschiedenen Lagern in Banda Aceh und Aceh Jaya.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die weltweite Nothilfe

Spenden-Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
jetzt online spenden!

© Aktion Deutschland Hilft: Wir helfen auch im Tsunami