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Tsunami Südasien„Das Ziel ist ein friedlicher Neuanfang“

29-03-2010

Edith Wallmeier, Leiterin der ASB-Auslandshilfe, über das lange Leiden der Menschen in Sri Lanka

Edith WallmeierFrau Wallmeier, seit wann ist der Arbeiter-Samariter- Bund in Sri Lanka tätig?

Wir arbeiten seit 2003 in Sri Lanka. In diesem Jahr begannen wir mit der Durchführung von Nothilfemaßnahmen zugunsten von Menschen, die durch schwere Regenfälle während der Monsunzeit dringend auf Hilfe angewiesen waren. Unser Büro befand sich in der Stadt Kilinochchi, wo zunächst ein internationaler und zehn lokale Mitarbeiter die Hilfe koordinierten und durchführten.

Wie waren die Auswirkungen des Tsunami im Jahr 2004 in Ihrer Projektregion – und was waren die ersten Antworten des ASB?

Sri Lanka gehörte zu den am schwersten vom Tsunami betroffenen Ländern. Im Nordosten des Landes wurden etwa 200 Meter Küstenstreifen völlig zerstört – damit auch Häuser, Fischerboote, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und religiöse Zentren. Die Überlebenden waren zum Teil schwer traumatisiert und hatten darüber hinaus häufig auch die Mittel für ihre einzige Verdienstmöglichkeit, die Fischerei, verloren – also Boote und Netze. Der ASB leistete seit dem Tag der Katastrophe Hilfe für die Menschen im Norden Sri Lankas. So begannen wir bereits am 26. Dezember 2004 mit der Verteilung von Hilfsgütern an die Opfer, versorgten Gesundheitsstationen mit Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial, halfen bei der Evakuierung der Überlebenden und unterstützten in Zusammenarbeit mit internationalen und lokalen Partnern die Aufräumarbeiten. Insgesamt konnten so über 50.000 Menschen von der Hilfe des ASB profitieren.

Arbeiteten Sie auch mit dem „Cash for Work“-Modell?

Tsunami: Anstehen für WasserJa, das taten wir. Durch die Einbindung in Baumaßnahmen erhielten die Bewohner des Camps die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen – und verbesserten gleichzeitig die Infrastruktur vor Ort. Damit die Fischer wieder ihrem Beruf nachgehen konnten, stellte der ASB Boote mit Außenbordmotoren und Netze zur Verfügung.

Im November 2005 stieg der ASB dann in den Wiederaufbau von Häusern ein…

Ganz genau. Wir errichteten 1125 Häuser in fünf Dörfern in den Distrikten Jaffna, Kilinochchi und Mullaitivu. Zudem unterstützten wir ein Rehabilitationszentrum für Menschen, die durch den Tsunami oder den Bürgerkrieg schwer beeinträchtigt waren. Darüber hinaus wurden gezielt Kleingewerbebetriebe gefördert, durch die Bereitstellung von Kleinkrediten Einkommensmöglichkeiten geschaffen und lokale Organisationen in den Bereichen Gesundheit und Behindertenhilfe unterstützt. Außerdem weitete der ASB seine Aktivitäten auch auf die Distrikte Hambantota im Süden, Batticaloa im Osten und Mannar im Nordwesten Sri Lankas aus. Im Distrikt Hambantota, wo über 25 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit sind, unterstützte der ASB Jugendliche und junge Erwachsene dahingehend, dass sie eine Beschäftigung finden und eigenes Geld erwirtschaften können. Dieses war besonders wichtig in einer Region, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt und vom Tsunami besonders schwer betroffen war. Neben diesen Aktivitäten begann der ASB im Osten Sri Lankas mit konkreten Projekten im Bereich von Krisenprävention, Friedenserhalt und Konfliktbewältigung, um einen nachhaltigen Beitrag zu leisten zur Stabilität im Land.

Im Jahr 2008 verschlechterte sich die Sicherheitslage im Norden Sri Lankas, als das Militär große Gebiete unter seine Kontrolle brachte. Im September 2008 verließen alle noch im Norden Sri Lankas arbeitenden Hilfsorganisationen die Region – zu ihnen gehörte auch der ASB.

Wiederaufbau nach dem TsunamiDas stimmt. Im Mai 2009 erreichten die Kämpfe einen Höhepunkt, und der Flüchtlingsstrom schwoll dramatisch an: 280.000 Menschen suchten Zuflucht in den Auffanglagern von Vavuniya und Mannar. Matthew Todd, Leiter des ASB in Sri Lanka, berichtete uns damals von einer katastrophalen Situation für die Menschen. Die Anzahl der intern Vertriebenen war um ein Vielfaches höher als die Aufnahmekapazitäten in den Lagern. Es fehlte an allem. Die Menschen waren körperlich und seelisch am Ende. Erst der jahrzehntelange Bürgerkrieg, dann der Tsunami, und später die heftigen Kämpfe und die Flucht.

Wie gestaltete sich die Situation, nachdem die Regierung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell das Ende der Kämpfe verkündet hatte?

Die Lage der Menschen in den überfüllten Auffanglagern blieb prekär. In „Menik Farm“, einem der größten Camps für die intern Vertriebenen, unterstützten wir die Menschen umfassend: Wir errichteten mehr als 2100 Notunterkünfte und über 300 Latrinen. Um die Familien mit dem Notwendigsten zum Überleben zu versorgen, verteilten unsere Mitarbeiter außerdem Hilfsgüter wie Decken, Plastikplanen zum Schutz gegen Regen, Wassereimer, Kochutensilien und Hygieneartikel.

Worin besteht nun die größte Herausforderung?

 Darin, den intern Vertriebenen eine sichere Rückkehr in ihre Heimatdörfer zu ermöglichen. Das Ziel ist ein friedlicher Neuanfang.

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