Erdbeben MexikoDas fliegende Auge - wie Drohnen Leben retten

28-03-2018

von Bundesverband Rettungshunde

Surrend steigt die Drohne auf und beginnt ihren Flug über das Stadtviertel. Per Funk sendet sie Videobilder nach unten auf ein Display. Was sie zeigen, erschreckt selbst erfahrene Experten: Ganze Häuserblöcke haben sich um ihre eigene Achse gedreht.

Videotechnik & Bioradar im Einsatz nach dem Erdbeben in Mexiko

Wenige Tage zuvor haben gewaltige Erdstöße Mexiko erschüttert. Als Michael Lesmeis­ter und sein Team aus Bauingenieuren, Baufachberatern und Übersetzern des BRH Bundesverband Rettungshunde vor Ort ankommen, bietet sich ihnen ein Bild der Verwüstung.

Ganze Straßenzüge sind in sich zusammengesackt, die Häuser nur noch Schutt. Ihre Aufgabe: Zu prüfen, ob Menschen in stehengebliebene Wohnhäuser, Bürogebäude oder Kindergärten zurückkehren dürfen oder ob sie dabei tödliche Fallen betreten. Erstmals haben die Statiker dabei modernste Technik im Gepäck – einen Multikopter mit Videotechnik sowie einen Life and Motion Tracker.

"Ganze Häuser hatten sich um ihre eigene Achse gedreht!"

Während lokale Rettungskräfte hin- und hereilen, konzentriert sich Drohnenpilot Michael Lesmeister in einer Häuserschlucht ganz auf sein Fluggerät. Die Gebäude wirken hier noch recht stabil. Surrend steigt die Drohne in den Himmel und beginnt ihren Flug über die Dächer. Unten blicken die Männer gespannt auf das Display in Lesmeisters Händen. Hierher soll das "Fliegende Auge" seine Livebilder per Funk senden.

Da, die ersten Bilder tauchen auf. Michael Lesmeister pfeift durch die Zähne. "Ich hab schon viel gesehen, aber das hat mich doch überrascht", wird er später sagen. "Ganze Häuser hatten sich um mehrere Grad um ihre eigene Achse gedreht!" Doch erst die Vogelperspektive offenbart den Statikern, dass diese Häuser gar nicht mehr an ihrem Platz stehen. Das kleinste Nachbeben könnte in Sekunden die Bauten zum Einsturz bringen. Lesmeister schüttelt den Kopf: "Nein, da darf keiner mehr rein."

Luftaufnahmen von zerstörten Häusern nach dem Erdbeben: Auch das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum verschaffte sich per Drohne einen Überblick.

Die Bilder offenbare dramatische Schäden

Mehr als 100 angeschlagene Gebäude in Mexiko-Stadt sowie in den Städten Miacatlán und Ticumán überprüfen an diesem Tag die deutschen Experten mit Hilfe der Drohne. Immer wieder offenbaren die gesendeten Bilddaten massive Schäden: Verschobene Wände, von tiefen Rissen durchzogene Mauern, durchlöcherte tragende Elemente an Einfamilienhäusern, an Wolkenkratzern, Krankenhäusern und Schulgebäuden.

Drohnenflug offenbart Ausmaß der Katastrophe

"Teilweise wäre allein das Betreten der Häuser ein Spiel mit dem Tod gewesen", so Lesmeister. Bei rund der Hälfte muss das Team die Empfehlung aussprechen, diese nicht mehr zu betreten oder gar abzureißen. Doch trotz der vielfach schlechten Nachrichten, die das Team den mexikanischen Hausbewohnern und -eigentümern überbringen musste, schlug den Experten eine Welle der Dankbarkeit und Gastfreundschaft entgegen, erinnert sich Lesmeister: "So viele Menschen wie in diesem Einsatz haben wir noch nie davor bewahrt, unter Trümmern begraben zu werden."

Deutlich zeigt die Luftaufnahme, dass sich durch das Erdbeben ein Gebäude um etwa zehn Grad um die eigene Achse gedreht hat. Eine Tatsache, die sich vom Boden aus nicht so schnell entdecken läßt.

Wie der Einsatz von Bioradar und Co. Leben retten kann

Das Team nutzte den Einsatz, sich unter reellen Bedingungen mit einem sogenannten Bioradar vertraut zu machen. In der Fachsprache heißt das Gerät Life and Motion Tracker LM 1. Es kombiniert ein elektromagnetisches Ultrabreitband-Pulsradar mit Mikroenergie-UWB-Technologie.

Das Gerät sendet elektromagnetische Wellen aus. An der Art und Weise, wie diese Wellen von ihrer Umgebung reflektiert werden, erkennt ein Sensor, ob sie auf lebende Menschen getroffen sind.

Das Gerät kann Herzschläge und Atembewegungen, also das Heben und Senken des Brustkorbs erfassen. "Damit erfahren wir in ein, zwei Minuten, ob irgendwo unter Trümmern noch Leben ist und ob wir eine Rettungsaktion starten müssen", erklärt Lesmeister. Gerade in Kombination mit Rettungshunden und der weiterführenden Ortung mit Kameras und Horchgeräten sei das Bioradar ideal. Vor Ort stellte das Team so fest, dass unter den eingestürzten Bauten kein lebender Mensch unentdeckt blieb.

"Unsere Hunde werden für uns auch in Zukunft unersetzbar sein, wenn es um eine exakte Ortung geht", so der Fachmann. "Aber der Bioradar liefert gute Anhaltspunkte, vor allem wenn extreme Einsturzgefahr oder bei einem Brand die Hitze die Arbeit für die Tiere schwierig oder gefährlich macht."

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