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Erdbeben JapanZeitenwende in Ayukawa

08-03-2012

Help errichtete Ladenzeile in vom Tsunami zerstörtem Fischerdorf

Auch für Ayukawa stellt der 11. März 2011 eine Zeitenwende dar. Vor dem schicksalhaften Tag hatte das auf der Halbinsel Oshika gelegene Dorf 1407 Einwohner. In guten Zeiten kamen jährlich bis zu 600.000 Touristen aus ganz Japan nach Ayukawa. Der Ort war für den Walfang bekannt, entsprechende Abbildungen der großen Meeressäuger zieren die Einfallstraße.

Auch Ichiko Tsumi lebte vom Tourismus. Die 60-Jährige hatte unten an der Hafenpromenade einen Souvenirladen. Sie verkaufte Miniaturwale und viele weitere maritime Andenken. Bis zum 11. März. Gemeinsam mit ihrem Sohn stand sie in ihrem Laden, als das Erdbeben das Haus regelrecht durchschüttelte. Einmal. Zweimal. Dreimal. „Wir wussten sofort: Das ist kein normales Beben.“ Ichiko sagte ihren Kunden, dass sie sich schnell in Sicherheit bringen sollen. Sie eilte zu ihrer 85-jährigen Mutter, um sie auf einen Berg zu fahren. Ichikos Ehemann machte unterdessen noch Fotos von den ersten beiden Wellen, die Ayukawa erreichten – vor der nahenden dritten Welle flüchtete dann auch er auf den Berg.

„Von dem Berg aus konnten wir wegen der vielen Bäume nicht sehen, was unten im Dorf passierte“, erzählt Ichiko Tsumi. Doch habe sie die Schreie der Menschen gehört, das Krachen der Häuser und das Hereinströmen des Wassers. „Es war fürchterlich!“

Zeitenwende in Ayukawa

130 Menschen in Ayukawa starben in den Fluten; sowohl das Wohnhaus der Tsumis als auch das Ladenlokal wurden von den Wassermassen restlos weggerissen.

„Ab jetzt beginnt mein neues Leben“

Die Familie machte sich durch den Schnee auf zu dem Haus von Freunden – wo sie gemeinsam mit einem dutzend weiterer obdachlos gewordener Menschen den nächsten Monat verbringen sollte. Von dort zogen sie in eines der vier örtlichen Evakuierungszentren, später dann in einen jener provisorischen Wohncontainer, die nunmehr für mindestens zwei Jahre das Bild entlang der nordöstlichen Küste Japans prägen.

„Ab jetzt beginnt mein neues Leben“, sagt die 60-jährige Ichiko und meint damit ihren neuen Laden. Help und die japanische Partnerorganisation JEN haben in sicherer Entfernung zum Meer zwei Ladenzeilen errichten lassen, in denen insgesamt 16 Geschäfte untergebracht sind. Menschen, die am 11. März ihre Existenz verloren haben, wagen hier einen Neuanfang – ob Fisch- oder Gemüsehändler, Friseur oder Sushi-Koch, Tourismusexperte oder eben Souvenirverkäuferin.

Ichiko: „Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich hier die Chance erhalte, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Ohne diese Unterstützung hätte ich dafür sicherlich vier bis fünf Jahre gebraucht.“ Da nun vorerst jedoch keine Touristenströme zu erwarten seien, werde sie ihr Sortiment etwas an den Bedarf der Einheimischen anpassen: „Neben Souvenirs wird es auch Alltagsgegenstände und einige Lebensmittel geben.“ Durch die Ladenzeile werde es mit Ayukawa nun wieder aufwärts gehen. Davon ist Ichiko Tsumi fest überzeugt.

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Erdbeben in Japan, Tsunamialarm im Pazifik