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Erdbeben Japan„Unser Schutzwall war viel zu niedrig“

06-03-2012

Toshio Saito ist Bürgermeister der südlich von Sendai gelegenen Stadt Yamamoto. Im Interview spricht er darüber, wie die Katastrophe über seine Stadt kam – und wie die Folgen gemeinsam mit ADRA bewältigt werden konnten.

Herr Bürgermeister, wie haben Sie persönlich den Tag der Katastrophe erlebt?

Toshio Saito: Ich selbst war im Rathaus und habe gearbeitet. Mein Haus jedoch liegt in unmittelbarer Nähe zum Meer. Ich wohne mit meiner Mutter zusammen und habe mir nach dem schweren Beben natürlich große Sorgen um sie gemacht. Sie war sich der Gefahr aber selbst sofort bewusst und machte sich auf den Weg zur nahe gelegenen Schule – dort wollte sie sich in den sicheren dritten Stock retten, was auch alle anwesenden Schüler gemacht hatten. Doch kurz bevor meine Mutter das Schulgebäude erreicht hatte, kam ein Auto vorbei und nahm sie mit ins Landesinnere. Sie war in Sicherheit, unser Hund jedoch kam ums Leben – denn er war im Haus, als eine Stunde nach dem Erdbeben die Welle kam und alles mit sich riss.

Wie wurden die Menschen in Yamamoto vor der Gefahr gewarnt?


Mit Warntönen aus fest installierten Anlagen. Außerdem fuhren Feuerwehrautos durch die Gegend und informierten die Menschen über Lautsprecher. Zudem gab es natürlich entsprechende Hinweise im Radio. Dadurch konnten sich sehr viele Menschen retten.

„Unser Schutzwall war viel zu niedrig“

Dennoch sind die Ausmaße der Katastrophe auch hier in Yamamoto riesig …

Das stimmt. Niemand hat damit gerechnet, dass eine über zehn Meter hohe Welle über uns hereinbrechen könnte. Unser Schutzwall war mit fünf Metern Höhe viel zu niedrig. Das Wasser drang über drei Kilometer weit ins Landesinnere vor, letztlich waren 40 Prozent der Fläche Yamamotos mit Wasser bedeckt. 2500 Häuser wurden komplett zerstört oder schwer beschädigt, rund 7500 Menschen waren mit einem Schlag obdachlos. 618 Menschen wurden tot aufgefunden oder sind noch vermisst.

Wie wurden in der Folge die Obdachlosen versorgt?

Wir haben die rund 7500 Menschen auf insgesamt 19 Evakuierungszentren verteilt. Bei der Versorgung dieser Frauen, Männer und Kinder hat ADRA unschätzbare Dienste geleistet. So hat die Organisation zwischen April und Juli rund 14.500 Mahlzeiten gekocht und ausgegeben. Zudem wurden Decken, Kissen und Plastikplanen verteilt.

Wo wohnen diese Menschen mittlerweile?

Entweder bei Verwandten oder in einem der 1030 Wohncontainern, den sogenannten Übergangshäusern, die an acht Standorten errichtet wurden. Sie werden dort für mindestens zwei Jahre leben. In einem solchen Container wohne auch ich gemeinsam mit meiner Mutter. ADRA hat die Familien mit wichtigen Haushaltsgegenständen ausgestattet. Darunter Geschirr, Töpfe, Schüsseln oder Reiskocher. Auch die Verteilung von Hygieneartikeln wie Seife, Zahnpasta oder Windeln war natürlich äußerst wichtig. Die Menschen haben alles verloren, viele von ihnen auch ihre Arbeit, für einen Neustart sind sie auf die Unterstützung von ADRA angewiesen.

„Unser Schutzwall war viel zu niedrig“

Wovon haben die Menschen hier in Yamamoto vor der Katastrophe gelebt?

Überwiegend von der Landwirtschaft. Auf den überschwemmten Gebieten wurden Äpfel und Erdbeeren angebaut. Wegen des Salzwassers ist das nun erstmal nicht mehr möglich. Die Erdbeerfelder werden wohl in andere Gebiete verlagert, genauso wie die Häuser der Bauern, denn im Katastrophengebiet wird niemand mehr bauen dürfen, das ist zu gefährlich.

Von welchem Einkommen werden diese Bauern in der Übergangszeit leben?

Viele von ihnen helfen dabei mit, die Trümmer zu beseitigen – und erhalten hierfür Geld vom Staat. Das wird noch lange notwendig sein, denn wie gesagt: Die Ausmaße der Katastrophe sind riesig.

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