In Indonesien wird das Bildungssystem ausgebaut. Eine Lehrerin steht vor einer Tafel und unterrichtet Lesen und Schreiben.

BildungAlphabetisierung

07-09-2012

Schlüssel zur Linderung des Elends

„Alphabetisierung ist der Schlüssel zur Linderung menschlichen Elends, zur Entfaltung der Fähigkeiten eines jeden Menschen sowie zu einer Zukunft in Frieden und Hoffnung“, so Kofi Annan in seiner Ansprache zur Eröffnung der Weltalphabetisierungsdekade im Jahr 2003 in New York. 

Analphabet zu sein bedeutet des Alphabets nicht oder kaum mächtig zu sein

Analphabetismus wird in verschiedene Erscheinungsformen unterschieden. Bei primären bzw. natürlichen Analphabeten ist die Unkenntnis der Schriftsprache auf eine fehlende Schulausbildung zurückzuführen. Sekundäre Analphabeten hingegen haben sich in ihrer Schulzeit rudimentäre Kenntnisse angeeignet, diese aber aufgrund fehlender Anwendung wieder verloren. Eine weitere Form ist der funktionale Analphabetismus. Menschen, die zu dieser Gruppe gehören, beherrschen die Schriftsprache nur unzureichend und können sich nicht an Aktivitäten beteiligen, bei denen Lesen oder Schreiben erforderlich sind. Dies führt dazu, dass sie nicht gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Alphabetisierungsgrad und Analphabetenquote

Der Alphabetisierungsgrad gibt den Anteil an der Bevölkerung an, der des Lesens und Schreibens mächtig ist. Demnach ist ein möglichst hoher Grad erstrebenswert. Die UNESCO definiert den Alphabetisierungsgrad der Erwachsenen als den Prozentsatz der Bevölkerung ab dem 15. Lebensjahr, der einen einfachen Satz über alltägliche Abläufe lesen, schreiben und geistig erfassen kann. Da der Alphabetisierungsgrad ein Hinweis auf den Bildungsstand der betreffenden Bevölkerung ist, fungiert er oft als Entwicklungsindikator und fließt beispielsweise auch in den Human Development Index ein. Die Analphabetenquote hingegen bezeichnet die Personengruppe, die über keine Schriftsprachkompetenz verfügt.

 

Was wurde bisher getan?

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es verschiedene Ansätze, den Analphabetismus zu bekämpfen. Bis Mitte der 70er Jahre zeigten die auf eine wirtschaftliche Entwicklung abzielenden Konzepte und Strategien zur Verminderung des Analphabetismus jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Einen ganz anderen Ansatz hatte die Alphabetisierungsmethode des brasilianischen Pädagogen Paolo Freire. Entgegen den Alphabetisierungskonzepten mit ökonomischem Hintergrund, rückte Freires emanzipatorischer Ansatz die unterdrückte Bevölkerung in den Mittelpunkt und verstand Alphabetisierung als einen aktiven Prozess, bestehend aus Dialog und Partizipation, der es den Menschen ermöglichen sollte ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln und Resignation zu überwinden. Von Brasilien aus griffen Freires Ideen weiter um sich. 1975 fand das internationale Symposium zur Alphabetisierung im iranischen Persepolis statt. Alphabetisierung wurde fortan breiter gefasst und als „Beitrag zur Befreiung der Menschen in der Dritten Welt aus ihrer sozialen, ökonomischen und politischen Exklusion“ verstanden. In den 80er Jahren folgten Massenkampagnen zur Bekämpfung von Analphabetismus, die in vielen Entwicklungsländern sehr erfolgreich waren. Zentraler Akteur hierbei war der Staat. In den 90er Jahren zog sich der Staat dann zurück und der Fokus wurde auf die formale Grundschulbildung gelegt. Die darauffolgende Etappe im Kampf für Alphabetisierung ist das bereits erwähnte Weltbildungsforum im senegalesischen Dakar im Jahr 2000.

Ziel erreicht?

Alphabetisierung

Die Fortschritte in Richtung Halbierung der Zahl erwachsener Analphabeten sind enttäuschend. Noch immer besitzen geschätzte 796 Millionen Menschen, rund 17 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung, keine grundlegenden Lese- und Schreibkompetenzen. Nahezu zwei Drittel davon sind Frauen.
Die zehn Länder mit den meisten Analphabeten decken 72 Prozent des weltweiten Analphabetentums ab. Die Mehrheit lebt in Afrika südlich der Sahara, den arabischen Staaten und Süd- und Westasien. Zumeist handelt es sich um Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau, wie Indien, Nigeria oder Pakistan. Doch auch wohlhabendere Länder, wie Brasilien und Ägypten finden sich unter den Top 10 der Länder mit den meisten Analphabeten. Über die Hälfte der Analphabeten lebt in den vier bevölkerungsreichsten Ländern Bangladesch, China, Indien und Pakistan.
Bezüglich der Fortschritte ergibt sich bei den zehn Ländern mit der höchsten Zahl an Analphabeten ein heterogenes Bild. China und Brasilien konnten die Zahl der Analphabeten erheblich reduzieren, während die Anzahl der nicht alphabetisierten Bevölkerung in Indien weiter ansteigt. Bangladesch und Indien werden nicht mehr als die Hälfte des anvisierten Ziels erreichen und Angola, Tschad und die Demokratische Republik Kongo werden weit hinter dem EFA-Ziel zurückbleiben.
Den niedrigsten Alphabetisierungsgrad – mit unter 40 Prozent – verzeichnen momentan Mali, Südsudan, Äthiopien, Niger, Burkina Faso, Tschad, Somalia, Afghanistan und Guinea.

Und jetzt?

Ein Mensch, der nicht über Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz verfügt ist sein Leben lang in sozialer und ökonomischer Hinsicht benachteiligt. Alphabetisierung ist eine Grundlage des Lernens und damit Basis von besseren Lebensbedingungen und erweiterten Möglichkeiten. Da die Bildungsministerien die Hauptverantwortung für die Alphabetisierungspolitik tragen, ist der langsame Fortschritt bei der Alphabetisierung zumeist auf fehlendes politisches Engagement zurückzuführen. Leider ist die Alphabetisierung Erwachsener nicht Bestandteil der Millenniums-Agenda und weder die UN-Alphabetisierungsdekade noch internationale Konferenzen haben bahnbrechende Erfolge zu verzeichnen. Wie im Weltbildungsbericht 2011 richtig festgehalten wurde, werden für einen Durchbruch in der Alphabetisierung nationale Regierungen mehr Verantwortung für die Planung, Finanzierung und Durchführung von entsprechenden Programmen übernehmen und dafür notwendige Partnerschaften etablieren müssen.

 

 

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