550-kilimandscharo

Tansania: Hand in Hand für AfrikaTansania: Faszination abseits vom Kilimandscharo

23-06-2010

Am Anfang war eine Idee: Menschen in Tansania sollen Zugang zu Medikamenten haben und das nicht nur in der Hauptstadt Dar es Salaam, sondern auch in den abgelegenen Dörfern im Süden des Landes. Vor allem Malaria macht den Menschen zu schaffen, Kindern wie Erwachsenen. Die Fernsehzeitschrift FUNK UHR trieb vor vier Jahren die Ideenfindung voran und initiierte das Projekt „Hand in Hand für Afrika“ mit Aktion Deutschland Hilft. Der Kerngedanke: Spendern zeigen, wo die Spendengelder verwendet werden und was konkret mit ihnen passiert. Mittlerweile ist neuform, die Dachorganisation der Reformhäuser, als Partner im Team. Geld, Berichterstattung und tatkräftige Hilfe beim Aufbau des „Medical Stores“ in der kleinen Stadt Mbinga ermöglichten den Start einer beispiellosen Hilfsaktion für 300.000 Patienten in den armen Dörfern an der Grenze zu Malawi. Für die Projektumsetzung zuständig: action medeor – das deutsche Medikamentenhilfswerk. Im Januar dieses Jahres konnte ich mich vom Erfolg dieses Projekts überzeugen. Ich habe den gut sortieren Medical Store von Schwester Gabriele bewundert, die Arbeit der Ärzte im Krankenhaus in Litembo beobachtet, die Betreuung der Patienten in den Krankenstationen („Dispensaries“) begutachtet und ein Kinderheim am Rande Mbingas besucht. Und was ich gesehen habe, hat mich überzeugt: Eine erfolgreiche Arbeit, mit hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Wohle der Menschen. Hier sind die Projektmittel gut angelegt! Und das Beste: Die medizinische Versorgung der gesamten Region wird sich in absehbarer Zeit selbst tragen können! Echte Hilfe zur Selbsthilfe – und ich war stolz, ein Teil davon sein zu können. Hier aber die Details:

Medical Store in Mbinga: Zwei Tage dauerte die Anreise mit dem Auto quer durch Tansania. Vorbei an Giraffen und Elefanten immer geradeaus in halsbrecherischem Tempo, auch durch kleine Orte und große Städte. Ständiger Begleiter: die Hupe. Durchgeschüttelt erreichten wir nach 1200 staubigen Kilometern Mbinga im Süden Tansanias, und den Medical Store mit Gesundheitsstation. Ich erfahre schnell: Ohne die 72-jährige Schwester Dr. Gabriele Winter, Herz und Seele der Krankenversorgung, wäre die Erfolgsgeschichte unseres Projektes „Hand in Hand für Afrika“ nicht möglich. Erfahren, empathisch und mit Liebe zu den Menschen weiß sie genau, was zu tun ist. Ihre Apotheke versorgt 15 Dispensaries mit den notwenigen Medikamenten. Die Spenden ermöglichen die Finanzierung von Schulungen für Hebammen, Krankenpflegerinnen und Mitarbeitern, die für Logistik und Buchhaltung zuständig sind. Professionell. Unterstützt vom Bischof und dem ganzen Orden hat die Krankenstation nicht nur ein sehr gepflegtes Äußeres, sondern auch einen hervorragenden Ruf. Malaria aber auch AIDS, Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen sind die häufigsten Gründe, die Station aufzusuchen. Und oft sind es Mütter mit kleinen Kindern, die durch Mangelernährung den Krankheiten wenig entgegenzusetzen haben. Die Patienten zahlen nach ihren Möglichkeiten einen kleinen Obolus für die Behandlung und die Ausgabe der Medikamente. Es ist absehbar, dass die komplette medizinische Versorgung in Mbinga bald eigenfinanziert werden kann.

Dispensaries: 15 kleinere Krankenstationen sind der Station in Mbinga angeschlossen. Alle werden geleitet von einheimischen Ordensschwestern. Drei dieser Außenstellen habe ich besucht. Gemein haben sie, dass die Patienten oft von weit her medizinische Hilfe suchen. Viele haben lange Tagesreisen zu Fuß hinter sich, um sich oder ihre Angehörigen dem Arzt vorzustellen. Viele Patientinnen sind hochschwanger und kommen zur Niederkunft in die Station. Hier hapert es an der Versorgung. Zum Schutz der Patientinnen und der Hebammen fehlen Utensilien wie Absaugpumpen, Nabelklemmen oder auch nur ausreichend saubere Bettwäsche. Im Schnitt benötigen die Dispensaries nur 500 Euro im Monat, um die wichtigen Medikamente anzuschaffen: Schmerzmittel und Penizillin zum Beispiel. Aber diese 500 Euro können sie oftmals nicht aufbringen und deshalb können nicht immer alle Patienten ausreichend versorgt werden.

Krankenhaus in Litembo: Besonders beeindruckt war ich vom Krankenhaus in Litembo, das auch aus Spenden von „Hand in Hand für Afrika“ mitfinanziert wird. Proppenvoll, wartende Patienten auf allen Gängen, jedes Bett in den Zimmern belegt. Und wie sehen die Krankenzimmer aus: Die Bettwäsche ist bunt und oftmals löchrig. Über den Betten hängen Moskitonetze, tagsüber in dicken Knoten. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm, sauber gefegt. Gegessen wird, was Verwandte hinter den Zimmern kochen. Betroffen gemacht hat mich vor allem das Schicksal der kleinen Priscilla. Herzkrank ist das Mädchen ohne Chance auf Heilung, denn die in Europa übliche Behandlung und die Medikamente wären viel zu teuer, wenn es sie denn gäbe. Ob sie noch lebt? Als wir die Gynäkologie besuchten, erlebten wir die Geburt eines Babys mit – das war sehr beeindruckend. Und wieder mal zeigt sich, wie nah Leben und Tod sind, Freude und Leid. Trotz des guten Eindrucks registrierten wir auch den Mangel. Es fehlt an allen Ecken und Kanten: Es gibt keine Diagnose-Apparate, der Medizinnachschub kommt zu spärlich, gut ausgebildetes Personal ist rar. In diesem Jahr kann das Krankenhaus nur mit geringen Summen unterstützt werden – Spenden für Tansania sind leider spärlich. Als wir das dem leitenden Arzt mitteilen mussten, war er verständlicherweise enttäuscht.

Nach vier Tagen in Mbinga und in den Dispensaries sind Dr. Gerhard Kunath von action medeor, Mirja Rumpf, Chefreporterin der FUNK UHR, und ich wieder zurück in Dar es Salaam. Im Gepäck die anziehende Faszination von Tansania. Lassen Sie sich auch anstecken und helfen Sie, die medizinische Versorgung für alle Menschen zu ermöglichen. „Hand in Hand für Afrika“ – das Projekt verdient es, die Investition ist lohnenswert!

© Das Bündnis der Hilfsorganisationen: Spenden & helfen