Tansania: Hand in Hand für AfrikaDie Investition in Menschen lohnt sich immer

29-03-2009

Raphael Ndunguru„Hand in Hand für Afrika“, ein Projekt von Aktion Deutschland Hilft und der Funk Uhr, steht für gelebte Hilfe zur Selbsthilfe. Im Interview berichtet Pater Raphael Ndunguru über den Stand der Projekte.

Frage: Die Aktion „Hand in Hand für Afrika“ läuft mittlerweile seit über zwei Jahren. Was hat die Arbeit bislang bewirkt?

Pater Raphael: Die Arbeit hat in drei Bereichen viel bewirkt: Erstens haben wir mit Hilfe der Spender eine ganz neue zentrale Medikamentenverteilung für den Distrikt Mbinga anlegen können. Von diesen Medikamenten profitieren rund 300.000 Menschen. Vorher war die Medizin nicht so einfach verfügbar. Jede Gesundheitsstation musste für sich selbst schauen, wo sie Medizin her bekam. Zudem war oftmals nur schlechte Qualität erhältlich. Das Medikamentenhilfswerk action medeor achtet auf hohe Qualität und schickt die Medikamente direkt zu uns nach Mbinga. Seit zwei Jahren haben wir also ständig Medikamente hoher Qualität auf Lager und können die Patienten versorgen.

Handin Hand.200pxlZweitens konnten wir erstmals seit langer Zeit das einzige zentrale Krankenhaus im Distrikt mit ausreichend Medikamenten versorgen. Vorher konnten wir zwar die Menschen untersu-chen, ihnen aber nicht auch die Medikamente geben, die sie brauchten. Gerade bei den Schmerzmedikamenten konnten wir vielen Patienten keine Linderung verschaffen, weil einfach nichts mehr im Medikamentenschrank war. Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Wir haben die Krankenhausapotheke ganz neu bestücken können und bekommen auch laufend Nachschub.

Drittens konnten wir zwölf Mitarbeiter zu Weiterbildungen schicken. Unser Krankenhaus liegt weit weg von den großen Städten und Zentren, wo man sich weiterbilden kann. Für unser Krankenhaus und das Personal ist es aber immens wichtig, dass laufend etwas für die Weiterbildung getan wird. Jetzt können wir auf ausgebildete Kräfte in verschiedenen Bereichen zurückgreifen. Die Investition in Menschen lohnt sich immer. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Frage: Auf welche Erfolge sind Sie besonders stolz?

Pater Raphael: Stolz sind wir vor allem auf die motivierte Zusammenarbeit. Funk Uhr, Aktion Deutschland Hilft und action medeor waren mehrmals vor Ort, auch die Verantwortlichen des Großspenders Merck haben sich in Tansania ein Bild gemacht. Damit wird die Zusammenarbeit zwischen Menschen deutlich. Die Deutschen können sehen, was wir mit einfachen Mitteln leisten. Wir können zeigen, dass die Medikamenten-Station ordentlich geführt wird, dass es Weiterentwicklungen im Krankenhaus gab. Aber es gibt auch ganz persönliche Begegnungen. Etwa mit der kleinen Joyce, die Malaria hatte, und die mehrmals von den deutschen Besuchern im Kindergarten und zuhause aufgesucht wurde. Sie ist gesund geworden. Ich bin stolz, dass so etwas möglich ist.

Tansania: Mirja mit Kind auf dem ArmFrage: Wie läuft die Kontaktaufnahme mit den Partnern in Deutschland?

Pater Raphael: Wir haben keine Technik, um leicht mit Deutschland Kontakt aufzunehmen. E-Mail-Zugang hat nur einer von uns, die anderen können diesen Zugang höchstens einmal pro Woche nutzen. Das Telefon des Krankenhauses funktioniert nicht, das Handy auch noch nicht. Die Deutschen wollen alles schnell wissen und haben, wir können diese Kommunikation aber oft nicht herstellen, weil es an allem fehlt. Und wenn wir dann mal den vorhandenen Computer nutzen wollen, fehlt der Strom. So ist es ein ständiger Kampf zwischen gutem Willen und schlechten oder nicht vorhandenen Kommunikationsmitteln. Aber wir konnten bei den Besuchen immer zeigen, dass wir unser Bestes geben und dass die Spenden gut angekommen sind.

Frage: Was sind die nächsten Schritte? Wo besteht noch Bedarf?

Pater Raphael: Die nächsten Schritte müssen sein, dass noch mehr Leute ausgebildet werden. In Buchhaltung, Lagerhaltung und in verschiedenen medizinischen und pharmazeutischen Disziplinen. Daneben hoffen wir natürlich, dass die Medikamente weiterhin zur Verfügung gestellt werden, zumindest so lange, bis wir einigermaßen aus eigenen Kräften weiterarbeiten können. Die drei großen Bereiche Medikamenten-Station, Krankenhausapotheke und Weiterbildung sind unser Anliegen.

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