Erbeben MexikoHilfsprojekt in Mexiko: Müll wird zu Erde

12-04-2018
Die Abfallbewirtschaftung in Mexiko ist sehr problematisch. Auf diesem Bild sitzt ein Mann inmitten eines Müllberges.

von TERRA TECH

Der Held dieser Geschichte ist sechs bis 15 Zentimeter lang, ein kleines, sich windendes Geschöpf. Es ist eng mit unserem Regenwurm verwandt und heißt Eisenia foetida. Mit seiner Hilfe wird organischer Abfall in fruchtbare Erde verwandelt. Eisenia fühlt sich besonders im oberflächennahen Erdreich wohl.

Dort konzentriert er sich auf zwei Dinge: Der Zwitter produziert jede Menge Nachkommen und verwandelt nebenbei jede Menge Biomüll in fruchtbares Erdreich. Schön für ihn – und für die Menschen, die ihn züchten.

Hilfsprojekt in einer Schule

Die Erde wird verwendet, um den Anbau von Obst und Gemüse in Familiengärten zu fördern. So wachsen die Pflanzen besser – und diejenigen, die sie anbauen, können sich zuverlässiger und selbstständiger ernähren. Der Kompostwurm erleichtert ihnen das Leben. Und deshalb gräbt Eisenia im Schulgarten der "Escuela Secundaria Técnica 223" genau am richtigen Fleck. Denn die Schülerinnen und Schüler kommen aus armen Familien. Begeistert ernten sie das Gemüse, das mithilfe des Wurms besonders gut gedeiht. Es gibt Gurken, Tomaten und Rettich.

Die Schule befindet sich in unmittelbarer Nähe der Müllkippe Zaachila nahe der Stadt Oaxaca De Juárez. Der Bundesstaat Oaxaca ist einer der ärmsten in Mexiko. 26 Prozent der Menschen kennen Nahrungsmittelknappheit, 21 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind kleinwüchsig, weil sie mangelhaft ernährt sind.

Der organische Müll hat gesundheitliche Folgen

Viele dieser Beeinträchtigungen liegen an einer unangemessenen Abfallbewirtschaftung. Besonders  problematisch ist der organische Müll. Er fault, schimmelt, macht krank. Dank Kompostierung wandeln nun über 1000 Menschen auf Mülldeponien diese Abfälle in reichhaltige Böden um. In den beteiligten Gemeinden infizieren sich nur mehr halb so viele Menschen.

Die Haushaltseinkommen steigen, da weniger Kosten für die Müllentsorgung anfallen. Und: Der Familienertrag von Gemüse hat sich dank der Gemeindegärten mehr als verdoppelt. Die Errungenschaften des Projekts sind vielversprechend. Insbesondere für Teenager.

Schülerin Lucía sagt: "Wenn man auf einer Deponie lebt, weiß man nicht, wie man die ganzen Probleme lösen soll, die hier existieren. Dank des Projekts lernen wir, wie man Müll in Erde und dann in Gemüse verwandelt. Aber wir lernen in Workshops auch viel über Teambuilding, Selbstachtung, Geschlecht, sexuelle und reproduktive Rechte. Jetzt fühle ich mich nicht mehr verzweifelt; wenn wir zusammenarbeiten, können wir die Dinge nach und nach ändern. So wie unsere Würmer: nach und nach verwandeln sie Müll in frischen Boden."

Ein Junge hält den Wurm Eisenia foetida in der Hand.
© Hannah Maule-FFinch

80.000 Menschen sind in Not geraten

All diese positiven Aspekte sind jedoch im Moment gefährdet. Der Bundesstaat Oaxaca wurde von den Erdbeben im September 2017 schwer getroffen. Große Schäden gab es vor allem in den abgelegenen, ländlichen Gemeinden. Laut Schätzungen müssen 10.000 Häuser wieder aufgebaut werden. Insgesamt sind ungefähr 80.000 Menschen in Not geraten. "Unser Haus hat einige Schäden erlitten, aber wir leben", erzählt Lucía. "Wir haben hier auf der Deponie keine sehr widerstandsfähigen Konstruktionen. Es gibt einen großen Riss im Boden, einige Ecken des Hauses haben Schäden."

„Jetzt sind wir dabei, Dinge für unsere Familien zu ernten.“

TERRA TECH und der lokale Partner SiKanda helfen unbürokratisch. Ein Erste-Hilfe-Set für eine Familie kostet 25 Euro. Einsolches Kit enthält Reis, Bohnen, Haferflocken, Fischkonserven, Öl, Saft, Hygieneartikel wie Toilettenpapier und Monatsbinden sowie Decken und kleine Spielzeuge für Kinder. In den kommenden Monaten werden sich TERRA TECH und SiKanda hauptsächlich auf den Wiederaufbau von Schulen und sozialen Einrichtungen konzentrieren.

Ebenso wichtig ist, dass die Ernährung stimmt. "Vor ein paar Wochen haben wir Salat, Rettich, Basilikum, Gurke, Chili und Rote Bete gepflanzt", erzählt Lucía. "Jetzt sind wir dabei, Dinge für unsere Familien zu ernten." Jeder tut, was er kann. Auch Eisenia foetida.

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