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Erdbeben JapanManuela Roßbach anlässlich des Jahrestages der Katastrophen in Japan 2011

09-03-2012

Megakatastrophen treffen auch Industrieländer – Benötigen auch diese Länder humanitäre Hilfe?

Am 11. März um 14.46 Uhr Ortszeit ereignete sich in Japan das verheerende Erdbeben. Tausende Menschen waren von Erdbeben, Tsunami und der dadurch ausgelösten Atomkatastrophe betroffen und benötigten Hilfe. Sofort nach den ersten Meldungen zu den Ereignissen in Japan vor einem Jahr erreichten Aktion Deutschland Hilft erste Anfragen von Spendern, die den Opfern helfen wollten. Die Welle der Solidarität für Japan ebbte auch Wochen nach der Katastrophe nicht ab: viele Tausend Menschen in Deutschland zeigten hohe Anteilnahme an den Geschehnissen im rund 9.000 Kilometer entfernten Japan.



Allein in Deutschland spendeten Kinder und Jugendliche in Schulen, einzelne Privatspender, Gruppen und Vereine und Unternehmen rund 70 Millionen Euro (Quelle, DZI, 25.10.2011). Dieser Beweis an Solidarität der deutschen Bevölkerung für die betroffene Bevölkerung Japans war beeindruckend. Vor allem auch deshalb, weil es sich bei dem Land, in dem die Katastrophe stattfand, um die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt handelte. 
Als Aktion Deutschland Hilft den gemeinsamen Einsatzfall ausrief, wurde von einigen Spendern und Kollegen in Frage gestellt, ob ein Land wie Japan überhaupt auf Hilfe angewiesen ist. Schließlich bitte ja die japanische Regierung selbst nicht um Hilfe.



Die Berichte unserer Mitgliedsorganisationen machten allerdings deutlich, in welcher schweren Situation sich die Bevölkerung und auch die Regierung vor Ort befand: plötzlich waren rund 500.000 Menschen betroffen, die medizinisch versorgt werden mussten, deren Häuser dem Erdboden gleich waren und die bei Minusgraden dringend warme Unterkünfte benötigten. Es war wichtig, Nahrungsmittel, Wasser, Decken und Hygieneartikel in die betroffene Region zu bringen. Unsere Mitglieder versorgten die Menschen mit eigenem Personal oder über japanische Partnerorganisationen, es waren Hilfsanmaßnahmen von Zivilgesellschaft zu Zivilgesellschaft, von Mensch zu Mensch.



Jetzt, ein Jahr später, haben wir mit Politikern darüber diskutiert, ob humanitäre Hilfe in Industrienationen sinnvoll ist – obwohl es viele ärmere Länder in der Welt gibt, die auf unserer Hilfe angewiesen sind. In diesem Gespräch machte unser stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, MdB Ruprecht Polenz darauf aufmerksam, dass aus politischer Sicht in einer immer enger zusammenwachsenden Welt nicht mehr die Frage gestellt werden kann, ob man Hilfe für ein Industrieland leisten soll oder nicht. Die Solidarität untereinander sei ein wichtiger Punkt bei den internationalen Beziehungen. Industrienationen haben seiner Meinung nach eine politische Verantwortung, sich gegenseitig zu helfen und ein Verein, der wie Aktion Deutschland Hilft das „Deutschland hilft“ im Namen trägt, kann sich nicht die Frage stellen, ob es Ausschlußkriterien für Hilfsmaßnahmen gibt. 



Unser stellvertretender Vorsitzender, Heribert Scharrenbroich, Staatssekretär a.D., macht deutlich, dass die Entscheidung des Bündnisses, gemeinsam zu Spenden aufzurufen und Hilfe zu leisten, von vielen Faktoren abhängt. Unter anderem von der Einschätzung der Mitgliedsorganisationen, die im engen Kontakt mit den Krisenregionen stehen. Wichtig ist, dass Hilfsmaßnahmen machbar sind und professionelle Partnerstrukturen vor Ort bestehen. Es muß sichergestellt sein, dass die Hilfeleistung nach dem humanitären Imperativ erfolgen kann, also aus der menschlichen, ethischen Verantwortung heraus, unabhängig von religiösen, politischen oder ethnischen Überlegungen. Sie soll sich in erster Linie an der Bedürftigkeit der von der Katastrophe betroffenen Menschen orientieren. Auch spielt eine Rolle, ob ein Hilfegesuch der Regierung des betroffenen Landes vorliegt, die Bitte um Hilfe wurde im Falle Japans durch Vertreter der japanischen Botschaft veröffentlicht. In der Regel verläuft die Hilfe von Zivilgesellschaft zu Zivilgesellschaft über schnelle und unkomplizierte Hilfswege und ist an die kulturellen und sozialen Bedingungen angepasst.


Heribert Scharrenbroich weist auf ein Zitat von George Bush aus dem Bericht des Weißen Hauses nach dem Hurrikan Katrina (2005) hin, aus dem unter anderem hervorgeht, dass Nichtregierungsorganisationen bei der humanitären Hilfe nach Katastrophen häufig effizienter und effektiver als die Regierungsorgane arbeiten: “Even in the best of circumstances, government alone cannot deliver all disaster relief. Often, non-governmental organizations (NGOs) are the quickest means of providing local relief, but perhaps most importantly, they provide a compassionate, human face to relief efforts. We must recognize that NGOs play a fundamental role in response and recovery efforts and will contribute in ways that are, in many cases, more efficient and effective than the Federal government’s response. We must plan for their participation and treat them as valued and necessary partners.“ (http://georgewbush-whitehouse.archives.gov/reports/katrina-lessons-learned/chapter5.html)


Aktion Deutschland Hilft hat seit seiner Gründung 2001 bereits in Deutschland selbst, nach der Elbeflut 2002, nach dem Hurrikan Katrina (2005), nach dem Erdbeben in Chile (2010) und in Japan (2011) geholfen. Ergebnis der Diskussion mit den Politikern war, dass die Solidarität mit Menschen in Not ethische und humanitäre Verpflichtung darstellt – unabhängig davon, ob sie in Entwicklungsländern, Schwellenländern oder Industrieländern leben.
Den ausführlichen Bericht über die Hilfe von Aktion Deutschland Hilft in den letzten 12 Monaten in Japan finden sie hier

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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Erdbeben in Japan, Tsunamialarm im Pazifik