AktionenGeschichtenwettbewerb: Gewinner „Text/Schüler“ | Mareike Heppermann

05-08-2015

„Mareike Heppermann hat sich einem Thema angenommen, dass ganz direkt mit der Arbeit von Aktion Deutschland Hilft zu tun hat: Flucht. Die Geschichte der beiden syrischen Flüchtlingsmädchen ist berührend und zugleich sehr nah an der Realität dran. Mareikes Schreibstil ist kurzweilig und prägnant – die vielen Dialoge lassen zudem eine dichte Atmosphäre entstehen.“

Freundschaft kennt keine Grenzen | von Mareike Heppermann

Es war ein schöner Sommermorgen, die Blumen blühten, die Vögel sangen. Es war fast alles so wie früher. Früher…

Doch erzählen wir von Anfang an: Alia lebte mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Syrien nahe der Grenze zu Jordanien. Es wohnten nicht viele Menschen in dem Dorf, so dass jeder jeden kannte und es viele Freundschaften gab. Alia hatte zwei kleinere Brüder. Ihre Mutter arbeitete als Krankenschwester und ihr Vater war als Ingenieur sehr bekannt. Leider war er die meiste Zeit nicht zuhause, da er viel reisen musste. Sie vermisste ihren Vater sehr, doch an diesem schönen Tag kam ihr Vater von einer langen Geschäftsreise endlich wieder nach Hause. Nach Hause…wie schön es doch dort war.

Doch erzählen wir weiter: Alia, die eigentlich gerade zur Schule gehen wollte, rannte die Treppe hinunter und begrüßte ihn mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Du bist endlich wieder da!“, sagte sie. „Ja, ich bin endlich wieder da. Und es sieht so aus, als ob ich länger bei euch bleiben werde.“ Sie verstand diese Worte nicht.

Es war Krieg in ihrem Land ausgebrochen. „Alia, du kannst heute nicht zur Schule gehen“, sagte ihre Mutter zu ihr. „Wieso denn nicht?“ Ihre Mutter antwortete ihr verlegen darauf: „Wir müssen zu deiner Tante nach Deutschland fahren.“ „Und wie lange müssen wir da bleiben?“ Jetzt mischte sich ihr Vater ein: „Alia, in unserem Land ist Krieg ausgebrochen, wir müssen fliehen. Du bist wahrscheinlich zu klein um das zu verstehen. Wir wissen selbst nicht wie lange wir weg bleiben müssen. Viele andere Menschen fliehen auch, genauso wie wir. Eines Tages wirst du das verstehen können.“ „Flieht Rana auch?“, fragte Alia. „Bestimmt wird sie mit ihrer Familie weg fahren“, antwortete ihre Mutter. Rana, das war Alias beste Freundin. Sie kannten sich schon seit dem Kindergarten. Sie spielten, weinten und stritten sich, lachten aber die meiste Zeit zusammen. Nichts konnte sie jemals auseinander bringen.

„Pack deine wichtigsten Sachen zusammen, wir fahren bald los!“, sagte ihre Mutter noch. Alia verstand an dem Tonfall ihrer Eltern, dass die Situation sehr ernst war und dass Furchtbares passiert. Verstört rannte sie weinend in ihr Zimmer und packte ihre wichtigsten Sachen zusammen. Sie hatte Angst und konnte das alles nicht verstehen.

Um 9 Uhr fuhren sie schließlich los. Es war eine sehr lange Fahrt, ohne auch nur einen größeren Halt zu machen. Doch was Alia aus ihrem kleinen Fenster sehen konnte, kann sie uns nicht berichten. Es ist grausam, was Menschen sich einander antun können. Doch das schlimmste an allem ist, dass Kinder davon nicht verschont werden. Alia überlegte die ganze Zeit was wohl aus Rana geworden ist. Ob es ihr gut geht, ob sie überhaupt noch lebt…an so etwas wollte sie eigentlich gar nicht denken. Leider konnte sie keinen Kontakt zu Rana aufnehmen.

Als sie nach einer langen Reise schließlich bei ihrer Tante in Deutschland angekommen waren, versuchte sie bei Rana anzurufen. Zum Glück klappte es. Alia hatte Tränen in den Augen als sie die vertraute Stimme ihrer besten Freundin hörte. „Alia, ist alles gut bei dir? Wo bist du?“ „Mir geht es gut. Ich bin mit meiner Familie nach Deutschland geflohen. Rana berichtete, dass sich ihre Familie auch in Sicherheit bringen wird und bei Verwandten in Dänemark wohnen könnte. Es war sogar schon Militär in der Stadt zu sehen, deshalb hatte es ihre Familie sehr eilig. Alia gab Rana ihre Telefonnummer und sagte: „Ich hoffe wir sehen uns bald wieder?!“ „Ja, das hoffe ich sehr. Tschüss!“ „Tschüss“.

Ein Jahr war schließlich vergangen. Alias Familie hatte eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Alia und ihre Brüder besuchten eine deutsche Schule, doch dort fühlten sie sich oft einsam und verloren. Sie fanden keine Freunde, da sie die Sprache nicht so gut konnten. Außerdem vermissten sie ihr altes Zuhause, das kleine Dorf, ihr Haus, ihr Land. Alles war anders in diesem neuen Land. Rana und Alia telefonierten zwar oft miteinander, doch hatten sie sich immer noch nicht wieder gesehen.

Eines Tages, als Alia schulfrei hatte, sagte ihre Mutter zu ihr: „Ich hab eine Überraschung für dich! Komm mit!“ Alia folgte ihrer Mutter ins Wohnzimmer und dort stand ihre beste Freundin! Rana! Alia war so glücklich, sie wieder in die Arme schließen zu können. Sie begannen beide zu weinen und lagen sich noch lange in den Armen.

Die beste Freundschaft kann selbst Krieg nicht trennen.

Freundschaft kennt keine Grenzen!


Mareike Heppermanns "Freundschaft kennt keine Grenzen" vorgetragen von Volker Groß (Radio Bonn Rhein-Sieg):


 

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