Von der Politik marginalisiert
World Vision hat erkannt, dass die Nomadenstämme vielmehr zusammen- statt gegeneinander arbeiten müssten. Gemeinsam könnten sie eine Strategie entwickeln, um zu verhindern, dass ihr Vieh verhungert und einige der Nomaden ihre Art zu leben aufgeben und sesshaft werden müssen.

Die Konkurrenz zwischen den Stämmen steht einer Zusammenarbeit jedoch im Wege. Doch wenn die Nomaden sich nicht selbst helfen, wer tut es dann?
Die Politik hat in der vergangenen Zeit nur allzu oft ignoriert, dass Nomadismus am Horn von Afrika ein Faktum ist. Stattdessen wird versucht, Nomaden zur Sesshaftigkeit zu drängen, was für die Regierung deren Verwaltung und Kontrolle erleichtern würde. Für einen Nomaden ist Siedlung jedoch gleichbedeutend mit Freiheitsbeschränkung. Außerdem sind sie im Bildungssystem und auf den Märkten stark benachteiligt. Insbesondere Bildung ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der Region. Den Marktzugang benötigen die nomadischen Hirtenvölker, um mit ihrem Vieh zu handeln und pflanzliche Lebensmittel erwerben zu können.
Auch für Nichtregierungsorganisationen (NROs) ist es nicht leicht, die Nomaden am Horn von Afrika zu unterstützen. Sie haben so viele Probleme wie es Stämme gibt. Jede Nomadenfamilie hat einen eigenen sozialen, ökologischen und ökonomischen Hintergrund, der unbedingt beachtet werden sollte, wenn man mit dieser Familie zusammenarbeitet. Traditionen, die Art des Viehs und des Handels und die Wege und Stationen, die die Hirtenvölker auf ihrer Reise nutzen, unterscheiden sich teilweise stark von der der anderen Stämme. Mit der Lebensweise variieren auch die Probleme, mit denen die Nomaden konfrontiert werden. Eine universelle Lösung kann es daher nicht geben!

Eine neue Dimension der Entwicklungshilfe
Die Forschungsbericht von World Vision enthält eine Reihe von Forderungen und Ratschlägen, wie nomadischen Hirtenvölkern in Ostafrika wirklich geholfen werden kann.
Den Nomaden muss eine Stimme auf lokaler und nationaler Ebene gegeben werden, und sie selbst müssen in diesen Prozess eingebunden werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Nicht-Regierungs-Organisationen einerseits und die Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen andererseits können hilfreich sein, wenn es um Austausch von Wissen und Ressourcen geht.
Dabei sollten traditionelle und externe Institutionen gemeinsam an einer effektiven Landplanung, Ressourcennutzung und Handelsbeziehungen arbeiten. So kann auch gewährleistet werden, dass Hilfe von außen nicht mit den Traditionen und Werten der einheimischen Bevölkerung kollidieren. Entwicklungsprojekte müssen vorausschauend und flexibel genug sein, Trockenheitszyklen in der Planung zu berücksichtigen.
Da Nomaden fast immer unterwegs sind, muss die Arbeit mit ihnen überregional gestaltet werden. Zudem reicht es nicht aus, sich nach den klassischen Sektoren der Entwicklungshilfe oder humanitären Hilfe zu richten, denn: Was nützt einer Nomadenfamilie eine Latrine oder Trinkwasseraufbereitungsanlage, wenn sie am nächsten Tag wieder weiterreisen? Hilfe muss in neuen Dimensionen gedacht werden.

Aktion Deutschland Hilft am Horn von Afrika
Die Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft sind zum Teil schon seit vielen Jahren in Ostafrika aktiv und passen ihre Hilfe der nomadischen und halbnomadischen Bevölkerung an.
Nahrungsmittel werden in Monatsrationen ausgegeben, Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbehandlung laufen über monatliche medizinische Camps. Das Vieh wird ebenfalls medizinisch behandelt und geimpft. Zudem werden Tiergesundheitshelfer ausgebildet. Gemeinsam mit den Hirtenvölkern versuchen die Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft, die Einkommensmöglichkeiten durch den Verkauf von tierischen Produkten und Erzeugnissen zu verbessern.
Besonders wichtig ist außerdem die Instandsetzung von Brunnen, sowie zusätzliche Brunnen entlang der Wanderpfade von Nomaden. Auch mit dem Bau von Mikrodämmen und Stauseen soll der nomadischen Bevölkerung der Zugang zu Wasser erleichtert werden. So soll die Lebensgrundlage der nomadischen Hirtenvölker – Vieh und Wasser – langfristig gesichert werden. Außerdem lernen in einem Friedensprojekt, ihre Konflikte nicht mit Waffen auszutragen.
Weitere Informationen
Den Forschungsbericht von World Vision können Sie hier einsehen: http://www.gordon.edu/ace/pdf/F&EFall08Symposium.pdf (S. 15-31).
Eine Übersicht über die Aktivitäten der Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft finden Sie auf unserer Website unter: http://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfseinsaetze/ostafrika/hilfsleistungen-unserer-buendnispartner-in-ostafrika
- Seite 1
- Seite 2
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Nothilfe weltweit
Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Jetzt online spenden!




