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Gastkommentar

Die neue Landnahme

Landgrabbing
Bentje Woitschach
Bentje Woitschach, Wissenschaftliche Referentin Stiftung Entwicklung und Frieden

Gastkommentar von Bentje Woitschach, Wissenschaftliche Referentin Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF)

43 der 53 afrikanischen Länder sind abhängig von Nahrungsmittelimporten. Ausgerechnet in diesen Ländern werden jedoch die besten Ackerflächen verkauft. Land Grabbing, der Kauf oder die langfristige Verpachtung von riesigen Agrarflächen an ausländische Interessenten, hat in den letzten Jahren enorme Ausmaße angenommen. Kritiker sprechen bereits von einer neuen Form des Kolonialismus. Die Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit der einheimischen Bevölkerung sind fatal.

Die Ressource Land war noch nie so umkämpft wie heute. Die Weltbank schätzt, dass allein in den Jahren 2008 und 2009 46 Millionen Hektar Nutzfläche ihren Besitzer gewechselt haben oder derzeit verhandelt werden. Dies entspricht der Fläche Schwedens. Meist sind es ausländische Regierungen und Unternehmen, die in Afrika, Asien und Südamerika fruchtbares Ackerland erwerben.
Diese neue Jagd auf Land hat viele Gründe.

  • Die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigt, nicht zuletzt durch ein immenses Bevölkerungswachstum in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern.
  • Fruchtbares Acker- und Weideland steht nur begrenzt zur Verfügung; eine extensive Ausdehnung zu Lasten der Urwälder und bisher unbearbeiteten Böden ist aus ökologischen Gründen nicht vertretbar.
  • Die Produktivität der vorhandenen Böden hat sich vielfach durch Misswirtschaft, Bodenerosion und Wüstenbildung verringert. Ernteausfälle infolge der klimatischen Veränderungen kommen hinzu.
  • Fruchtbare Böden werden verstärkt für den Anbau von Futtermitteln und Energiepflanzen zur Produktion von Agrartreibstoffen genutzt.


Ein verknapptes Angebot an Nahrungsmitteln bei zunehmender globaler Nachfrage führt dazu, dass der Preis erheblich steigt. Diese Situation hat in den letzten Jahren verstärkt Spekulanten auf den Plan gerufen, für die Nahrungsmittel und Land die Spekulationsobjekte der Zukunft sind. Nicht zuletzt durch ihr Treiben sind die Preise für Nahrungsmittel stetig angestiegen. Für Menschen in Entwicklungsländern, die 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, hat dies verheerende Auswirkungen.

Lukrative Landgeschäfte

Fruchtbares Ackerland im Ausland erwerben besonders Staaten, die selbst nur über wenig Boden- und Wasserressourcen verfügen. Länder wie China, Indien und Saudi-Arabien kaufen oder pachten große Flächen vornehmlich in Schwellen- und Entwicklungsländern mit hoher Landverfügbarkeit und schwacher Bodenregulierung. Ihr vordergründiges Interesse ist es, die Ernährungssicherung ihrer eigenen Bevölkerung durch den Anbau von Lebensmitteln im Ausland sicher zu stellen. So unterstützte die Regierung Saudi-Arabiens im Rahmen der „Initiative für saudische Agrarinvestitionen in Übersee“ saudische Unternehmen großzügig mit Kapital, um im Nordsudan Weizen und Mais anzubauen. Chinesische Staatsunternehmen haben große Flächen in Brasilien zum Anbau von Soja und Mais gepachtet; die China Development Bank stellte einen Großteil des benötigten Kapitals zur Verfügung. Auch in den von der gegenwärtigen Hungerkatastrophe am meisten betroffenen Ländern wie Somalia und Äthiopien sind fruchtbare Ackerböden verkauft und verpachtet worden (siehe Kasten zu Äthiopien). Auch wenn die dortige Ernährungskrise vielfältige Ursachen hat: Der Ausverkauf von Nutzflächen und der Export von Nahrungsmitteln aus Hungergebieten verschärft die Situation in diesen Ländern massiv.

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