Eine Fußball-Mädchen-Mannschaft spielt in San Salvador Fußball.
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AWODer Ball rollt: Mädchenfußball für mehr Toleranz und Respekt

05-07-2016

Jetzt fehlt nur noch der Gegner

Seit einer Stunde warten zehn Mädchen auf die gegnerische Mannschaft. Sie haben sich warmgespielt, jetzt fehlt nur noch der Gegner. „Wer schießt bei euch die meisten Tore?“ – „Reina Antonia!“ „Und wer läuft am schnellsten?“ – „Reina Antonia!“ „Und wer ist die beste Torhüterin?“ Die Spielerinnen zögern kurz, schauen sich gegenseitig an. „Eigentlich Reina Antonia!“, sagt dann eine. „Ja, Reina Antonia!“, stimmen die anderen zu.

Mit 16 Jahren alleinerziehende Mutter

Reina Antonia sitzt in der Mitte. Sie unterscheidet sich von den anderen Mädchen nicht nur darin, dass sie besser Fußball spielt. Sie hat auch ein anderthalbjähriges Kind auf dem Schoß. Es ist ihr Sohn. Sie war sechzehn, als er zur Welt kam, 15, als sie schwanger wurde. Ob der Vater ihres Sohnes auch Fußball spiele? Das wisse sie nicht, sagt Reina Antonia. 

„Er lebt hier wohl noch in einem der Dörfer, wo genau, weiß ich nicht. Ich wohne weiterhin mit meinen Geschwistern und meiner Mutter in der Hütte meiner Großeltern.“ Väter sind eine seltene Spezies hier in den Bergen von Ahuachapán nahe der Grenze zu Guatemala. Väter, die Verantwortung übernehmen für das Leben, das sie selbst mit in die Welt gesetzt haben. Auch Reina Antonias Mutter zog fünf Kinder alleine groß.


Familiäre und sexuelle Gewalt ist weit verbreitet

In vielen Ländern Mittelamerikas ist das Leben der Jugendlichen geprägt von Ausgrenzung und Gewalt. So auch in der Gemeinde Ahuachapán in El Salvador. Insbesondere gegenüber Frauen und Mädchen ist familiäre und sexuelle Gewalt weit verbreitet. Junge Mütter sind fast ausnahmslos alleinerziehend.

Durch Fußball zu mehr Selbstbewusstsein

Mit dem Fußball-Projekt stärkt AWO International das Selbstbewusstsein von Mädchen und jungen Frauen. Fußball ist dabei ein wirksames Instrument für mehr Toleranz, Respekt und Gleichberechtigung.
Mithilfe von AWO International konnten für die Fußballmannschaft einheitliche Trikots und Sporthosen gekauft werden. Jetzt gehören sie auch optisch zusammen und können an Turnieren teilnehmen. Auf dem Sandweg, der zum Fußballplatz führt, steigt Staub auf. Endlich erscheint das gegnerische Team. „Anderthalb Stunden später!“, seufzt Reina Antonia. Ihr Sohn muss jetzt auf einen anderen Schoß. Niemand wird jetzt so dringend gebraucht wie sie.

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