In der Ukraine steht ein Mädchen vor einer Tür.
© ASB/Finis

ADRA DeutschlandGroße Not im Osten der Ukraine

17-10-2017

Olga, ihren Mann und ihre acht Kinder traf der Krieg besonders hart und unmittelbar. Als ihr Dorf Andreyevka von der ukrainischen Armee und pro-russischen Streitkräften eingekesselt wurde, fürchteten sie um ihr Leben.

Die seelischen Verletzungen sind noch spürbar

"Von allen Seiten wurde geschossen, und wir hatten keine Chance zu fliehen", erzählt Olga. "Wir hatten Tag und Nacht große Angst. Um uns zu schützen, lebten wir im Keller unseres Hauses." Eines Tages zerstörte eine Bombe das Dach. "Es gab eine riesige Explosion und aus Reflex hielten wir schützend die Hände über unsere Köpfe", berichtet Olga. Wochenlang war die Familie der Witterung ausgesetzt, es tropfte von der Decke.

Mittlerweile wurden das Dach und Schäden innerhalb des Hauses durch ADRA repariert. Doch die seelischen Verletzungen der Familie sind noch immer spürbar. Die Kinder blicken traurig ins Leere, ihre blassen Gesichter lassen sie noch verletzlicher wirken. Ängstlich und mit leicht eingezogenen Köpfen schlurfen sie durchs Haus.

Im Winter Temperaturen unter minus 30 Grad

Neben Familien zählen vor allem alte Menschen zu den zivilen Opfern des Krieges. Die 85-jährige Oleksandra hat während der Kämpfe einen Herzinfarkt erlitten, in dessen Folge sie erblindet ist. In ihrem Haus steht kein Ofen, die Wände sind nicht isoliert, weder Bad noch Küche funktionieren. Nachts liegt sie auf einem verrosteten Stahlgestell, abgedeckt mit einem dünnen Tuch. Bei Wintertemperaturen unter minus 30 Grad kann die Frau nicht überleben. Gemeinsam mit Oleksandras Enkel bringen die Helfer von ADRA das Haus wieder in Schuss.

Es gibt viele Menschen wie Oleksandra und Olga mit ihrer Familie. Die meisten schaffen es nicht in die Nachrichten. Aber sie haben unsere Aufmerksamkeit verdient – und unsere Hilfe.

Menschen in Not brauchen weiter Hilfe

In Kiew betreibt ADRA das Familienzentrum „Hands of Hope“. Es dient als Anlaufstelle für Kinder und Familien in Krisen und für Binnenflüchtlinge aus den Regionen Donezk oder Luhansk. Kinder und Jugendliche erhalten medizinische und psychologische Versorgung. In dem angegliederten Gesundheitszentrum lernen Frauen im Rahmen der physiotherapeutischen und psychologischen Begleitung leichte Massageanwendungen kennen.

ADRA unterhält ein Zweigbüro etwa 750 Kilometer südöstlich in Kramatorsk. Dort sind die Folgen des andauernden Krieges unübersehbar. Viele Gebäude sind völlig zerstört. Aus den Augen, aus dem Sinn? Nein! Wenn die Medien ihre Berichterstattung zurückfahren, bedeutet das nicht, dass die Krise bewältigt ist. Menschen in Not brauchen weiter Hilfe.

ADRA

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