Ein Fußabdruck im ausgetrockneten Schlamm zeugt von der Trockenheit, die nach der Flut in Pakistan kam.

WasserVom virtuellen Wasser zum Wasserfußabdruck

Vom virtuellen Wasser zum Wasserfußabdruck

Die Konzepte des virtuellen Wassers und des Wasserfußabdrucks helfen, die mit dem indirekten Wasserverbrauch verbundenen globalen Probleme und Phänomene zu verstehen, sie volkswirtschaftlich und ökologisch zu bewerten und die Suche nach nachhaltigen alternativen Handlungsoptionen anzuregen.

Unser Planet erscheint als der blaue Planet. Doch nur ein winziger Teil dieses blauen Wassers ist für Menschen und die nicht marinen Lebewesen tatsächlich nutzbar. Wenn alles Wasser der Welt eine 150-Liter-Badewanne füllt, dann sind nur 4,5 Liter davon Süßwasser. Von diesen wiederum sind 2,5 Liter in den Gletschern und im Eis der Pole fest gebunden und fast weitere zwei Liter verborgen in den tieferen Gesteinsschichten der Erde. Nur ein Schnapsglas voll macht all das Wasser aus, das den Menschen und nicht zu vergessen auch allen Pflanzen und Tieren auf dem Festland als Süßwasser direkt zur Verfügung steht. Die Menschen sind eindeutig diejenigen, die davon das meiste verbrauchen. Dabei macht nur ca. zehn Prozent der menschlichen Wassernutzung der Haushaltsverbrauch aus. Der Rest wird in der Landwirtschaft und in der Industrie verwendet.

Ressource Wasser in jedem Produkt

1998 wurde für dieses unsichtbare Wasser der Begriff „virtuelles Wasser“ von Tony Allan, Professor an der „School of Oriental and African Studies“ in London, geprägt. Er bezeichnet Wasser, das benutzt wird, um ein Produkt herzustellen. Es ist somit virtuell darin enthalten. Dabei wird auch das Wasser berücksichtigt, das bei der Herstellung verdunstet oder verschmutzt wurde. Die Berechnung virtueller Wassermengen ist ein wichtiges Instrument, um die Verflechtungen und ökologischen Risiken aufzuzeigen, die durch die globalisierte Produktion und den Welthandel an Gütern bezüglich der Ressource Wasser entstehen. Dabei soll ein Bewusstsein für den Wassertransfer aus Erzeugerländern hin zu den Konsumierenden geschaffen werden. Problematisch ist dieser Transfer von Wasser, wenn er aus ariden oder semiariden Regionen in Entwicklungs- und Schwellenländern erfolgt. Regionen also, wo mehr Wasser verdunstet, als durch Niederschläge ersetzt wird.

Durstige Baumwolle in ausgedorrten Regionen

Vom virtuellen Wasser zum Wasserfußabdruck

Ein extremes Beispiel hierfür ist der Baumwollanbau in Zentralasien. Hier hat der jahrzehntelange „Export“ des dort verfügbaren Wassers durch den Intensivanbau einer sehr wasserbedürftigen Kulturpflanze zur verstärkten Wüstenbildung geführt. Das bedeutet den weitgehenden Verlust der fruchtbaren Humusschichten und eine Versalzung des Bodens. Meist ist mit dem Intensivanbau auch die extreme Belastung mit Pestiziden verbunden. Der zentralasiatische Aralsee hat durch die Entnahme von Wasser aus seinen beiden Zuflüssen seit 1960 90 Prozent seines Wasservolumens verloren. Heute ist der einst viertgrößte Binnensee der Erde in mehrere kleine völlig versalzene Einzelseen zerfallen. Dieser und ähnliche Prozesse in vielen wasserarmen Regionen von Entwicklungs- und Schwellenländern sind nur mit enormen gesellschaftlichen und finanziellen Anstrengungen umkehrbar.

Unternehmerische Verantwortung für die Lieferkette

Virtuelles Wasser ist definitionsgemäß für den Konsumierenden unsichtbar und im Preis eines Produktes nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil berücksichtigt. Deshalb sind die negativen Effekte der Wassernutzung und -verschmutzung für die Verbrauchenden nicht augenscheinlich. Durch Bildungsmaßnahmen, Kampagnen und mediale Präsenz der Thematik kann und muss zukünftig deshalb ein gesamtgesellschaftliches Umdenken erfolgen. Dazu gehört auch, dass insbesondere Unternehmen aus den Industrieländern für die gesamten Herstellungsschritte ihrer Produkte bis hin zu den Rohstoffquellen ihrer zuliefernden Unternehmen, z.B. in Entwicklungs- und Schwellenländern, die Verantwortung übernehmen. Es reicht nicht, sich auf die gegenwärtige Konformität mit den Gesetzen eines Landes zu berufen bzw. sich hinter die Anonymität ihrer Zulieferwege zurückzuziehen.

Wasserverbrauch hinterlässt Spuren weltweit

Eine Weiterentwicklung des Konzepts vom virtuellen Wasser ist der so genannte Wasserfußabdruck. Er beinhaltet den direkten und den indirekten Wasserverbrauch jeder einzelnen Person. Auf der Internetseite www.waterfootprint.org/?page=cal/WaterFootprintCalculator kann sich jeder seinen persönlichen Wasserfußabdruck berechnen. Der Wasserfußabdruck kann aber auch für Unternehmen oder ganze Nationen berechnet werden. Durch die Warenströme haben einzelne Länder indirekt Einfluss auf die hydrologischen Systeme anderer Regionen oder Länder. Deutschland importiert zum Beispiel mehr virtuelles Wasser, als es exportiert, und hat somit einen signifikanten externen Wasserfußabdruck. Das heißt, es hinterlässt seine „Fußabdrücke“ in anderen Ländern. Besonders groß sind diese in Brasilien, der Elfenbeinküste, Frankreich, den Niederlanden, den USA, Indonesien, Ghana, Indien, der Türkei und Dänemark, denn die Hälfte unserer landwirtschaftlichen Produkte wird importiert. Herausragende Beispiele sind Kaffee, Kakao, Nüsse und Ölsamen, Baumwolle, Rind- und Schweinefleisch, Sojabohnen und Milch.

Tägliche Bilanz: 5.300 Liter pro Person

Jede und jeder Deutsche verbraucht insgesamt mit täglich knapp 5.300 Liter Wasser - also weit mehr als die so oft herausgestellten 129 Liter, die im Schnitt täglich im Haushalt für eine Person anfallen. Und dies vor allem durch den Konsum von Lebensmitteln und Kleidungsstücken. Da dieses Wasser zudem oft aus wasserarmen Regionen importiert wird, sind wir Deutschen für die dortigen Umweltprobleme mit verantwortlich. Ebenso verschärfen wir die Konflikte um die Wasserressourcen in diesen Regionen zwischen der einheimischen Bevölkerung und der exportorientierten Intensivlandwirtschaft.

Quelle: arche noVa 2012

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