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KatastrophenvorsorgeDie nächste Katastrophe kommt bestimmt...

Eine Stärke von 8,8 auf der Richterskala hatte das Erdbeben, das sich am 27. Februar letzten Jahres nahe der chilenischen Stadt Concepción ereignete. Mehrere Küstenorte wurden von einem Tsunami überschwemmt, mehr als 700 Menschen starben.

Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 in Haiti lag von der Intensität her unter dem chilenischen Beben – dennoch verloren in dem Karibikstaat weit über 220.000 Menschen ihr Leben. Die vergleichsweise glimpflichen Folgen in Chile belegen ein fatales Gesetz: Naturkatastrophen treffen arme Länder ungleich härter als reiche. Laut John Mutter, einem Geologen der Columbia Universität in New York, ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Entwicklungsland durch ein Naturereignis zu sterben, etwa hundertmal größer als in reichen Staaten.

Dank umfassender Richtlinien ist die Bauweise in höher entwickelten Ländern deutlich sicherer, ein fundiertes Wissen im Bereich der Erdbebenforschung reduziert das Risiko erheblich. Haiti jedoch ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, die meisten Häuser waren vor dem 12. Januar in einfachster Weise gebaut – und damit dem Beben schutzlos ausgeliefert. Anders in Chile: Das Land liegt in einer gefährdeten Weltregion – und hat doch dank seiner wirtschaftlichen Stärke die Möglichkeit, sich weitgehend zu wappnen.

Auch Indonesien lebt mit der ständigen Gefahr. Der riesige Inselstaat liegt am Pazifischen Feuerring, einer der vulkanisch aktivsten Weltregionen. Ständig muss mit Erdbeben oder Vulkanausbrüchen gerechnet werden. Die Menschen in Indonesien wissen das – und stellen sich mit Unterstützung von Hilfsorganisationen darauf ein. Der Arbeiter-Samariter-Bund, der die Katastrophenvorsorge zu einem Schwerpunkt seiner Auslandsaktivitäten gemacht hat, engagiert sich seit vielen Jahren an indonesischen Schulen. Die Kinder und Jugendlichen erhalten Trainings und Lehrmaterialien darüber, wie sie sich im Falle eines Erdbebens zu verhalten haben. Auf taube oder blinde Kinder gehen die ASB-Mitarbeiter dabei in speziellem Maße ein. Auch die Lehrer erhalten gesonderte Unterweisungen.

AWO International ist ebenfalls in Indonesien aktiv: Auf der Insel Nias werden mit den Bewohnern von Dorfgemeinschaften strategische Aktionspläne erarbeitet und durch praktische Übungen geprobt. Unterdessen bilden die Johanniter in Nordsulawesi sowie Papua die Menschen in Katastrophenvorsorge und Erster Hilfe aus – denn im Falle einer Katastrophe muss sich die Bevölkerung zunächst einmal selbst versorgen, da medizinische Hilfe wegen der mangelnden Infrastruktur nicht alle Dörfer schnell erreichen kann. Neben den Schulungen werden Sammelstellen mit Frühwarneinrichtungen wie Flaggen, Masten und Lautsprechern ausgestattet.

Die nächste Katastrophe kommt bestimmt

Birma ist zwar auch von Erdbeben, stärker jedoch von tropischen Wirbelstürmen bedroht – zuletzt sorgten die Zyklone Nargis im Mai 2008 und Giri 2010 für Tod und Zerstörung. Malteser International – bereits seit Oktober 2001 in Birma tätig – hat schon 2006 damit begonnen, die Bevölkerung entlang der Küste durch gemeindebasierte und partizipative Katastrophenvorsorgeprojekte (CBDRM – Community-based disaster risk management) besser auf solche Extremwetterereignisse vorzubereiten. In diesem Rahmen stärken die Malteser auch die lokalen Krisenreaktionskapazitäten, unter anderem, um Basisgesundheits- und Trinkwasserversorgung zu sichern und im nächsten Katastrophenfall rasch tätig werden zu können, auch im Bereich der Vorwarnung und Evakuierung. Dafür wurden auch gesicherte Plattformen auf großen Regenwasserspeichern entwickelt, wo die Bevölkerung sich vor Überschwemmungen in Sicherheit bringen kann. Die Malteser bauen zudem zyklonsichere Gesundheitszentren und Schulen. Auch in Pakistan, Indien, Indonesien, Vietnam, Haiti, Mexiko und auf den Philippinen führen die Malteser solche CBDRM-Projekte durch.

Die Dresdner Helfer von arche noVa haben ebenfalls gemeinsam mit zwei lokalen Partnerorganisationen Strategien zur Katastrophenvorsorge für 55 ländliche Kommunen im Irrawaddy-Delta in Myanmar/Birma entwickelt. Während Dorfkomitees im Bereich Katastrophenvorsorge geschult werden, wird parallel dazu eine Bedarfsanalyse vorgenommen, um die jeweiligen Ressourcen und Mängel festzustellen und daraufhin individuelle Notfall- und Evakuierungspläne zu schaffen.

CARE gehört zu den Organisationen, die unter anderem auf die Wirkung des Theaters setzen. „Bei Rollenspielen und Theaterstücken lernen die Bewohner die richtigen Verhaltensweisen und Hilfsmaßnahmen im Falle einer plötzlichen Überschwemmung“, sagt Ngyuen van Bang, der für CARE in Vietnam Katastrophenschutzprojekte leitet. „Außerdem bildet CARE in jeder Gemeinde ein Katastrophenmanagement-Team aus. Dieses ist dafür zuständig, Frühwarnsysteme zu erstellen, Rettungsübungen durchzuführen, Evakuierungspläne zu entwerfen und Erste Hilfe zu leisten.“ Er verteilt Schwimmwesten, Radios, Megafone, Taschenlampen und Wasserfilter – alles, was ein professionelles Schutzteam braucht. Jeder macht beim Katastrophenschutz mit, auch die Jüngsten, die die jährlichen Überschwemmungen eher als Badespaß denn als Bedrohung sehen: Malwettbewerbe sensibilisieren die Schulkinder für den überlebenswichtigen
Schutz vor Naturgewalten.

World Vision ist nicht zuletzt in Afrika aktiv, um die Menschen für die Gefahren einer Katastrophe zu wappnen. So ist es das übergeordnete Ziel eines Projekts in Somalia, die Viehzüchter und Farmer in Middle Juba besser auf Überschwemmungen oder andere klimatische Ereignisse vorzubereiten. Sie werden in Katastrophenvorsorge ausgebildet und entwickeln mit Unterstützung der Projektmitarbeiter selber Frühwarnsysteme, dadurch werden sie in die Lage versetzt, den Verlust von Menschenleben und die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage zu verhindern. Weitere World Vision-Projektländer im Bereich der Katastrophenvorsorge sind Indonesien, Afghanistan und die Philippinen.

Aber auch die Menschen in Mittelamerika werden intensiv unterstützt, so sind Handicap International und der Arbeiter-Samariter-Bund in Honduras aktiv. Handicap International hat es sich zum Ziel gesetzt, speziell Menschen mit Behinderung und besonders hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Dabei werden gezielt wichtige Akteure und Institutionen der Zivilgesellschaft und der Regierung, aber auch die Bevölkerung im Allgemeinen einbezogen. Sie sollen überzeugt werden, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in Rettungspläne mit einzubeziehen. Unterdessen hat der ASB in 33 honduranischen Gemeinden Notfallkomitees gegründet. Die Menschen wurden trainiert, damit sie sich der Gefahren durch Dürre, Erdrutsche, Stürme und Erdbeben bewusst werden. Die Erfahrungen werden systematisiert und an nationale und regionale Stellen weitergegeben. Auch in Nicaragua ist der ASB aktiv: Hier werden an Schulen Vorsorgetrainings mit den Schwerpunkten Hurrikane, Erdrutsche sowie Überschwemmungen durchgeführt.

Ein weiteres wichtiges Land, in dem die Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft mittlerweile intensiv Katastrophenvorsorge betreiben, ist natürlich Haiti. Um dauerhaft auf die Beine zu kommen, muss sich das gebeutelte Land vorbereiten – auf die Naturgefahren der Zukunft. Denn so traurig es ist: Die nächste Katastrophe kommt bestimmt …

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Spenden-Stichwort: Katastrophenvorsorge
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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