Im Tschad ist die Situation vieler Menschen aufgrund von Trockenheit und Dürre sehr schwer. Viele fliehen vor dem Hunger und der Desertifikation.

GastkommentarProf. Dr. Mojib Latif: Das Klimaphänomen El Niño

15-03-2016

Mojib Latif, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Universität Kiel

El Niño bringt Wetter und Umwelt ordentlich durcheinander

Seit Juli 2015 ist im tropischen Pazifik ein El Niño-Ereignis im Gange. Es ist eines der bisher stärksten Ereignisse und bringt das Wetter in den Tropen und selbst in einigen Gegenden in den mittleren und höheren Breiten ordentlich durcheinander. So ist El Niño neben der Erderwärmung auch mit dafür verantwortlich, dass 2015 global das wärmste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Temperaturmessungen 1870 gewesen ist. In Südostasien und Teilen Australiens, wo es sonst viel regnet, herrschen Trockenheit und Dürre. Auf der anderen Seite des Pazifiks, über dem westlichen Südamerika, wo es sonst sehr trocken ist, gibt es Starkniederschläge und Überschwemmungen. Selbst die Atacama Wüste ist im Herbst 2015 aufgeblüht.

In Kalifornien hat es endlich wieder ordentlich geregnet, was in der Folge zu Erdrutschen geführt hat. In Afrika sorgt El Niño für katastrophale Auswirkungen, unter anderem mit Dürre in Teilen Äthiopiens und Zimbabwe, was dort zu Missernten und Hunger führt. Daneben wirkt sich El Niño auf die tropischen Wirbelstürme aus. Hurrikane im Atlantik entstehen seltener, dafür gibt es im Ostpazifik mehr Taifune. El Niño bringt aber nicht nur das Wetter durcheinander. Auch auf Meereslebewesen hat El Niño einen starken Einfluss und ist zum Beispiel mit dafür verantwortlich, dass derzeit in zahlreichen tropischen Meeresgebieten eine großflächige Korallenbleiche stattfindet.

El Niño: eine natürliche Klimaschwankung

Peruanische Fischer gaben El Niño (spanisch: das Christuskind) seinen Namen. Sie beobachteten schon vor über 100 Jahren, dass sich in manchen Jahren um die Weihnachtsnachtzeit das durch den kalten Humboldtstrom geprägte Meer vor Peru außergewöhnlich stark erwärmt und die Fischschwärme in den eigentlich nährstoffreichen Auftriebsgewässern ausbleiben. Heute weiß man, dass El Niño eine natürliche Klimaschwankung ist, die im Mittel alle 4 Jahre auftritt. Die mit ihm einhergehende Erwärmung erfasst den gesamten östlichen und zentralen tropischen Pazifik und entsteht durch ein Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre.

Es besteht die Befürchtung, dass sich El Niño-Ereignisse infolge des anthropogenen Klimawandels intensivieren könnten. In der Tat hat es seit 1980 schon drei Jahrhundert-El Niños (1982/83, 1997/98 und 2015/16) gegeben. Die Forschung steht hier noch am Anfang. Klar ist allerdings, dass sich einige Auswirkungen von El Niño-Ereignissen verstärken werden. Ein Beispiel ist Korallenbleiche, die zunehmend dramatischer ausfällt, weil die Temperaturen der tropischen Meere infolge der Erderwärmung stetig steigen.