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AfrikaDen Teufelskreis der Gewalt durchbrechen

28-03-2014

Das Projekt der psychologischen Unterstützung von Handicap International hat zum Ziel, den Teufelskreis zu durchbrechen, in welchem sich Prostituierte, Waisen und durch Vergewaltigung zu Müttern gewordene Frauen oft befinden.

„Psychologische Probleme, Arbeitslosigkeit und Armut sind weit verbreitet in Ruanda, daher kommt es häufig zu Gewalt gegen Frauen und Kinder“, erklärt Augustin Nziguheba, Psychologe und technischer Leiter des Projekts. „Handicap International hilft Paaren mit Schwierigkeiten, aus diesem negativen Kreis auszubrechen. Zudem stellen wir sicher, dass die Kinder nicht das gewalttätige Verhalten ihrer Eltern wiederholen. Daher wird auch die nächste Generation von unserer Arbeit profitieren.“ Das Projekt hilft durch Gruppendiskussionen, Therapiesitzungen und Unterstützung von Sozialberatern. Zu den Begünstigten gehören Prostituierte, Waisenkinder, die nach dem Verschwinden ihrer Eltern plötzlich zum Familienoberhaupt wurden, Frauen, die aufgrund einer Vergewaltigung Mutter wurden, HIV-positive Frauen, Opfer von sexueller Gewalt und Familien, die sich aufgrund von Gewalt und Alkoholmissbrauch in Krisen befinden.

Frederik und Daphrose: eine Familie in der Krise

„Ich konnte nicht verstehen, wo das Problem lag, obwohl ich unser gesamtes Geld vertrunken habe. Wir konnten uns kaum um unsere drei Kinder kümmern“, erklärt Frederik während eines Gruppentreffens, bei dem die Anwesenden ihre Erfahrungen miteinander teilen.

„Es war normal für das Familienoberhaupt, viel zu trinken und seine Frau zu schlagen, wenn sie sich beschwerte. Schon zu Beginn unserer Ehe konnte ich sehen, dass sie unglücklich war, aber es war mir egal. Ich sagte mir, dass ich mir einfach eine andere Frau suche. Die Einladung von Handicap International, an den Diskussionsgruppen teilzunehmen, erreichte mich zur richtigen Zeit. Dadurch, dass ich mir die Erfahrungen anderer anhörte und Dank der persönlichen Gespräche mit dem Sozialberater und mit der Hilfe meiner Frau begann ich nach und nach, mein Verhalten zu ändern“, so Frederik. „Seit dem sind zwei Jahre vergangen“, sagt Daphrose. „Die Veränderung war auch für unsere drei Kinder spürbar. Wir streiten uns nicht mehr vor ihnen. Aber es gibt immer noch viel für uns zu tun. Unsere Beziehung hat gelitten und es wird seine Zeit brauchen, bis wir uns wieder vertrauen können.“

„Mittlerweile erwartet meine Frau unser viertes Kind, was nicht geplant war. Wir werden uns also informieren und versuchen, uns besser zu organisieren. Die Tatsache, dass wir Entscheidungen zusammen treffen, ist an sich schon ein großer Schritt. Zuvor hätte ich das niemals erlaubt“, gibt Frederik zu.

Alphonsine: Ex-Prostituierte  

Alphonsine: Ich werde niemals vergessen, wo ich herkomme. Aber ich weiß auch, wo ich jetzt hin will

Die 29 Jahre alte Alphonsine hatte ein sehr schweres Leben. Sie wurde als Mädchen Opfer von Vergewaltigung und Gewalt, begann daraufhin zu trinken und landete schließlich in der Prostitution. Sie bekam mehrere Kinder, die sie ohne deren Väter aufzieht und ist HIV positiv. Dank dem Projekt zur „geistigen Gesundheit“ von Handicap International hat sie nun tatkräftig und mutig ein neues Kapitel in ihrem Leben aufgeschlagen und zieht ihre Kinder ohne die Hilfe Außenstehender auf.

„Als ich mich der Gruppe anschloss, wurde ich von einem Arzt untersucht. Ich war wieder schwanger. Und ich war HIV positiv. Handicap International zeigte mir, wo ich AIDS-Medikamente kaufen konnte. So konnte ich mein ungeborenes Kind schützen und der Junge kam gesund zur Welt”, berichtet Alphonsine. „Ich konnte nicht nur an Gruppendiskussionen teilnehmen. Ich verbrachte auch so einige Stunden mit dem Psychologen von Handicap International. Allmählich hörte ich auf, Drogen und Alkohol zu konsumieren. Ich habe meine Würde zurückgewonnen und erkannt, dass das Leben kostbar ist, trotz der schrecklichen Dinge, die ich durchgemacht hatte. Heute habe ich so etwas, was man ein „normales“ Leben nennen könnte. Dank des Projekts, habe ich einen kleinen Betrieb gegründet und verkaufe Lebensmittel auf dem Markt. Ich werde niemals vergessen, wo ich herkomme. Aber ich weiß auch, wo ich jetzt hin will.“

Immaculée: Waise des Genozids und Mutter

Immaculée: Waise des Genozids und Mutter

Bereits seit zwei Jahren macht Immaculée mit Unterstützung von Psychologen von Handicap International eine Therapie. Nach und nach lernt sie, ihr Kind zu akzeptieren, das bei einer Vergewaltigung entstanden ist. Trotzdem hat sie noch viele Anstrengungen vor sich, bis es ihr wieder gut geht. „Ich kann keinem Mann mehr vertrauen. Ich bleibe den Rest meines Lebens alleine“.

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