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AfrikaJohanniter stellen medizinische Versorgung in Kizimba sicher und schenken so wieder Hoffnung

14-04-2014

Kizimba - ein Dorf in der Provinz Nord-Kivu, im Osten des Landes - ist einer der Standorte, an dem die Johanniter in den kommenden zwölf Monaten die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Dr. Inez Kipfer-Didavi, Fachbereichsleiterin Afrika der Johanniter-Auslandshilfe, reiste Mitte Februar in die Region, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Hier berichtet sie über ihre Erlebnisse und wie die Johanniter die lokalen Einrichtungen bei der Bewältigung der stetig steigenden Vertriebenenzahl unterstützen.

Durch Abholzung droht Erosion

Von Goma, der Provinzhauptstadt Nord-Kivu im Osten des Landes, fahren wir etwa fünf Stunden über holprige Wege und Serpentinen in die Masisi-Berge auf weit über 2000 Meter Höhe hinauf. Fruchtbare vulkanische Böden, moderate Temperaturen und reiche Niederschläge sorgen für üppige Vegetation und saftiges Grün. Auch die steilen Berghänge sind landwirtschaftlich bebaut. Jedoch haben in Teilen dieser Gegend die militärisch siegreichen Gruppierungen die lokale Bevölkerung von ihren Feldern vertrieben, um dort die noch verbleibenden tropischen Bergwaldreste vollends abzuholzen, das Holz zu Baumaterial und Holzkohle zu verarbeiten und zu verkaufen und auf den nun baumlosen Wiesen ihre Rinder weiden zu lassen.

Das Fortschreiten der Abholzung seit meinem letzten Besuch ist erschreckend. Man könnte angesichts der Kühe auf den Berghängen an Allgäu oder Hochschwarzwald denken, es ist aber vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis Erosion durch die oft starken Regenfälle und Überweidung hier eine kahle und unfruchtbare Bergwüste hinterlassen werden.

Viele Vertriebene flüchten sich nach Kizimba

Mit zwei Geländewagen fahren wir langsam zum Bergdorf Kizimba hinauf, einer Ansammlung von Lehm- und Holzhäuschen auf einer Anhöhe. Über die Berghänge ringsherum sieht man überall die mit Mais, Hirse, Bananen und Kartoffeln bestellten Felder. Dazwischen ragt eine von weißen Plastikplanen übersäte Bergkuppe hervor. Dies sind nicht etwa Gewächshäuser sondern dicht an dicht gedrängte Notunterkünfte für Vertriebene. Die Plastikplanen-Bebauung zieht sich an zwei Seiten auch tief ins Tal hinunter. Die Einwohnerzahl dieses Dorfes hat sich durch die vor einem halben Jahr hinzugekommenen 17 000 Vertriebenen glatt verdoppelt. Als wir durch das Lager laufen werden wir von immer mehr neugierigen Kindern umringt, für sie ist unser Besuch eine willkommene Abwechslung.

Eine Belastung für das Gesundheitszentrum

Frau in der überlasteten Gesundheitsstation in Kizimba

Für das kleine aus Holz gebaute Gesundheitszentrum des Dorfes ist die Verdoppelung der Bevölkerung eine enorme Belastung: Die zwei Krankenpfleger müssen bis zu 80 Patienten pro Tag behandeln, im Monat 1200 Fälle. Hinzu kommen bis zu 50 Entbindungen pro Monat, dazu noch Geburtsvor- und nachsorge. Die Räume und der Hof sind ordentlich und sauber gefegt, der medizinische Müll wird fachgerecht entsorgt. Man sieht, dass sich das Personal und die freiwilligen Gemeindegesundheitshelfer alle Mühe geben.

Dennoch: Das Dach ist undicht und die Decken feucht - hier in den Bergen regnet es fast täglich. Die Wände sind dunkel von Schmutz, es gibt keinen Strom und auch keine Solarlampen; alle Räume sind überbelegt. Die Vertriebenen haben kein Geld, um die Behandlungsgebühr und Medikamente zu bezahlen. Sie haben nichts zu essen, weshalb die Anzahl Unterernährter in den letzten Wochen nach oben schnellte: Zu den über 400 moderat unterernährten kommen zur Zeit 165 schwer unterernährte Kleinkinder. Im Januar gab es sogar einen Choleraausbruch mit 65 Erkrankten, von denen vier nicht mehr gerettet werden konnten.

Johanniter starten Programm zur Gesundheitsversorgung

Ich bin froh, dass wir für die Gesundheitsversorgung der Vertriebenen und Einheimischen in diesem, wie in sechs weiteren Ortschaften, in der Gesundheitszone Bambi nun ein neues Projekt starten: Sieben Gesundheitszentren einschließlich der Entbindungsstationen und Ernährungszentren sowie ein ländliches Krankenhaus werden notdürftig repariert und regelmäßig mit Basismedikamenten, Labormaterial, medizinischem Verbrauchsmaterial und Zusatznahrung beliefert. Das medizinische Personal wird fortgebildet und vom Johanniter-Team fachlich begleitet. Die Medikamente werden kostenlos ausgegeben, um auch den Vertriebenen die Behandlung zu ermöglichen.

Besonderes Augenmerk wird dabei einerseits auf die Versorgung von Schwangeren und Kleinkindern, andererseits auf die adäquate Behandlung von Überlebenden sexueller Gewalt, Menschen mit Traumata, HIV/AIDS-Kranken, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen gelegt. Insgesamt soll so die Gesundheitsversorgung von über 100.000 Menschen gewährleistet werden.

Zusätzlich wird ein Netz von Gemeindegesundheitshelfern ausgebildet, um durch Aufklärungsarbeit in den Dörfern und Vertriebenenlagern die Prävention zu stärken.

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