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Afrika20 Jahre nach dem Genozid in Ruanda: Die humanitäre Hilfe hat Konsequenzen gezogen

27-03-2014

Die letzte Dekade des 20. Jahrhunderts war geprägt von humanitären Katastrophen, die infolge von Bürgerkriegen entstanden. Hunderttausende kamen dabei zu Tode, dazu gehörte auch der Genozid in Ruanda von 1994. Daher gilt: Komplexe politische Katastrophen sind seit Ende des Kalten Krieges häufige Arbeitsfelder für international arbeitende humanitäre Nichtregierungsorganisationen.

Internationale Gemeinschaft hat versagt

Humanitäre Helfer standen vor dem Problem, als Akteure unabhängig, aber auch unparteiisch zu sein, denn nur so schien es möglich, den universellen Menschenrechten zu entsprechen und für die Betroffenen in politischen Konflikten, aber auch in Naturkatastrophen arbeiten zu können. Es ist heute unumstritten, dass die internationale Gemeinschaft beim Genozid in Ruanda versagt hat. Über 800.000 Tote und fast zwei Millionen Flüchtlinge innerhalb weniger Monate machen das Ausmaß der Katastrophe überdeutlich.

Evaluation der geleisteten Hilfe

Auf Anregung der dänischen Regierung fand 1995 eine gemeinsame Evaluation – also eine sach- und fachgerechte Bewertung – der Hilfeleistungen aller beteiligten internationalen Akteure statt. Die „Joint Evaluation of Emergency Assistance to Rwanda (JEEAR)“ war in fünf Studien untergliedert, wovon die Evaluation der geleisteten humanitären Hilfe und ihrer Auswirkungen den größten Bereich darstellte. Die Leitfragen: Ist es möglich, sich künftig auf politisch motivierte Katastrophen besser vorzubereiten? Kann man eine Art Frühwarnsystem für politisch motivierte Konflikte entwickeln? Kann der Übergang von humanitärer Hilfe zur Rehabilitation und zur Entwicklungszusammenarbeit besser geplant werden?

Professionalität und Rechenschaftspflicht

Die Berichte aller fünf Studien der Evaluation wurden im März 1996 publiziert, sie enthielten insgesamt 64 Empfehlungen. Die Hauptbotschaften bezogen sich auf die Professionalität der geleisteten humanitären Hilfe und auf den Bereich der Rechenschaftspflicht. Es wurde hervorgehoben, dass die Leistungen in Anbetracht der Größe der humanitären Katastrophe beeindruckend waren. Die Vorbereitung auf die Katastrophe, die mangelhafte Koordinierung der Hilfsmaßnahmen und die damit verbundenen hohen Kosten wurden jedoch als unzureichend beschrieben.

Verbesserung von Effizienz und Effektivität

Um bei künftigen humanitären Katastrophen besser agieren zu können, sollte eine neue Struktur entwickelt werden, die im Vorfeld die Helfer auf humanitäre Standards verpflichtet. Standards, die zum einen technische Aspekte betreffen, aber in hohem Maße auch das Wohl und die Würde der von der Katastrophe betroffenen Menschen im Blick behalten. Ein Jahr nach der JEEAR-Evaluation fand die JEFF-Evaluation (Joint Evaluation Follow-up, Monitoring and Facilitation Network) statt. Sie untersuchte, welche Empfehlungen bereits umgesetzt worden waren. Die Ergebnisse beider Evaluationen führten innerhalb des humanitären Sektors zu Diskussionen darüber, wie Effizienz und Effektivität der Arbeit weiter verbessert werden können.

Katalysatorfunktion

Die Ergebnisse der Ruanda-Evaluationen hatten eine Art Katalysatorfunktion
für jene Strömungen im humanitären Sektor, die sich schon vor dem Genozid in Ruanda mit den Fragen nach Verantwortung, Rechenschaftspflicht und Leistung in der humanitären Arbeit befasst hatten. Insofern fielen die Empfehlungen auf fruchtbaren Boden und beschleunigten die Gründungen von Organisationen wie „Sphere Project“, „Humanitarian Accountability Partnership“ und „People in AID“.

Professionalisierung der humanitären Hilfe

Seit 1996 hat der internationale humanitäre Bereich selbst Initiativen zur Verbesserung der humanitären Hilfe ergriffen. Dabei wurden Definitionen von Qualität und Standards entwickelt – aus Verantwortung gegenüber den betroffenen Menschen, aber auch gegenüber den Geldgebern. Hinzu kommt, dass sich die humanitären Helfer in hohem Maße professionalisiert haben.

 

Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von Aktion Deutschland Hilft

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