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Schlaglichter der Woche
Minen - heimtückische Massenvernichtung

Auf Feldern, Straßen und Fußwegen verlegt, sind Landminen in jedem dritten Entwicklungsland zu einer schleichend wirkenden Massenvernichtungswaffe geworden. Noch immer bilden mehr als 100 Millionen oft unkontrolliert vergrabener Landminen in 78 Ländern eine tödliche Gefahr. Auch der Einsatz tückischer Streubomben hat bislang über 100.000 Opfer in 25 Ländern gefordert. Eine weltweite Studie von Handicap International belegt die humanitären Folgen: 98 Prozent der Opfer sind Zivilisten, davon 27 Prozent Kinder.
Für eine angemessene Versorgung der etwa 500.000 überlebenden Minenopfer fehlt es den meisten Ländern an Geld, Fachpersonal und medizinischen Einrichtungen. Gleichzeitig wird die Rückkehr von Flüchtlingen in ihre verminten Dörfer zum tödlichen Roulette. Und weil öffentliche Einrichtungen – Krankenhäuser, Schulen, Märkte oder Kraftwerke – gezielt vermint wurden, verzögern sich Hilfe und Wiederaufbau zusätzlich. Die Verminung landwirtschaftlicher Nutzflächen unterbindet die Nahrungsmittelproduktion auf unabsehbare Zeit – und damit die Existenzgrundlage der Ärmsten: Felder und Gärten liegen brach, Tiere verenden, Wasser- und Brennholzsuche wird (vor allem für Frauen und Kinder) zu einer lebensgefährlichen Arbeit.
Steigende Opferzahlen, sinkende Hilfsbereitschaft
Die internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) hat im September 2006 ihre Jahresbilanz, den „Landmine Monitor“, veröffentlicht. Ihm zufolge stieg die Zahl der registrierten Opfer von Landminen und Blindgängern im Jahr 2005 wieder auf 7.328. Die Dunkelziffer dürfte jedoch bei 15.000 bis 20.000 Opfern pro Jahr liegen. Dennoch beklagt der Report, dass der anfangs kooperative Geist zwischen den Nichtregierungsorganisationen und den Regierungen spürbar schwindet. Viele Geberländer, darunter auch Deutschland, haben ihre Mittel für Minenaktionsprogramme zum Teil drastisch gekürzt. Am stärksten betroffen von den Kürzungen sind der Irak (53%), Kambodscha (43%) und Afghanistan (27%).
Erfolge und Rückschläge – der politische Kampf gegen Landminen
UNO und EU haben sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2010 der globalen Minenplage ein Ende zu bereiten. Ein erster wichtiger Schritt war die Ottawa-Konvention von 1997. Sie verbietet den Einsatz, die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen. Inzwischen haben 152 Staaten diese Konvention ratifiziert. Doch der Vertrag erfasst weder alle Länder noch alle Arten von Landminen. Und zu den Verweigerern gehören ausgerechnet jene, die die meisten Minen produzieren, darunter die USA, Russland, China und Indien.
Immer noch verbeißen sich Unterzeichnerstaaten in Definitionsfragen. Viele Regierungen weigern sich anzuerkennen, dass Antifahrzeugminen mit unter das Verbot fallen müssten, weil viele dieser Waffen auch durch Menschen ausgelöst werden können. Noch chancenloser sind derzeit Forderungen nach einer Ächtung der Streuwaffen.
Hoffnung durch konkrete Hilfe
Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft unterstützen deshalb, zum Teil seit vielen Jahren, Minenaktionsprogramme in besonders verseuchten Regionen, etwa im ehemaligen Jugoslawien, dem östlichen Afrika, im Nahen und Mittleren Osten oder in Südasien. So komplex das Minenproblem ist, so umfassend muss auch die Hilfe sein:
- Minensuche, -markierung und -räumung
- Gefahrenaufklärung und Sicherheitstraining für die betroffene Bevölkerung
- medizinische Nothilfe
- physische und psychische Rehabilitation, soziale und ökonomische Reintegration der Opfer und ihrer Familien
- Wiederaufbau und Entwicklung minenverseuchter Gemeinwesen
Eine in der humanitären Minenräumung führende Hilfsorganisation ist HELP. Im Irak – nach drei Kriegen von Minen, Blindgängern und Streubomben geradezu übersät – sind drei von vier Explosionsopfern Kinder, die aus Unwissenheit mit dem Gefahrgut spielen. Seit 2003 hat HELP 55 Iraker zu Minenräumern ausgebildet und konnte mehr als 1,3 Millionen verminter Quadratmeter wieder zugänglich machen. Dabei wurden mehr als 15 Tonnen Minen, Blindgänger und Munition vernichtet. Die katastrophale Sicherheitslage im Irak zwang HELP jedoch, seine Tätigkeit Anfang 2007 auszusetzen.
Auch im Norden des afrikanischen Tschad, wo kilometerlange Minenfelder seit den 80er Jahren jede Entwicklung blockieren, hat HELP 70 einheimische Fachkräfte ausgebildet und nahezu sechs Millionen Quadratmeter Gelände geräumt. Die dabei entfernten „silent killer“ summierten sich auf 567 Tonnen – das entspricht dem Startgewicht eines voll aufgetankten Airbus A380. In Bosnien investierte HELP allein 12 Millionen Euro in ähnliche Programme. Auch dort unterstützte die Organisation mit dem Aufbau des Zivilschutzes lokale Strukturen zur Entminung und vernichtete tausende Sprengkörper.
Jeder Fund ein gerettetes Leben
CARE hingegen nutzte seine Erfahrung aus stark verminten Ländern wie Angola, Kambodscha, Bosnien und Afghanistan auch im ehemaligen Jugoslawien. Bis 2001 wurden im Kosovo mehr als 1000 Minen geräumt, 11.280 Häuser wieder bewohnbar gemacht. Außerdem klärte CARE die Bevölkerung über die unsichtbaren Gefahren auf, sammelte Hinweise auf vermutete Minenfelder, markierte und kartographierte die entsprechenden Areale. Im Verantwortungsbereich von CARE lagen damals mehr als die Hälfte der 425 identifizierten Minenfelder. Auch in Kambodscha – neben Afghanistan und Irak der am stärksten verminte Staat – führt CARE seit 1996 Aktionsprogramme durch. Sie helfen der Bevölkerung des armen Agrarlandes, Felder und Gärten wieder bestellen, Straßen und Märkte wieder nutzen zu können.
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