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Kodizes zur Sicherung der Qualität in der Nothilfe

Weltweit gibt es tausende Hilfsorganisationen, die Menschen in Not unterstützen. Doch dies geschieht oft auf unterschiedlich hohem qualitativem Niveau.
Erschreckendes Beispiel für unqualifizierte und unprofessionelle Handlungsweisen von Hilfswerken war das Jahr 1994, als eine verheerende Cholera-Epidemie in den Flüchtlingslagern von Goma ausbrach. Über eine Million Menschen waren vor dem Bürgerkrieg aus Ruanda in die kongolesische Großstadt geflohen und suchten Schutz in den überfüllten Flüchtlingscamps. Der Tod von einigen tausend Menschen hätte durch die Einhaltung hygienischer Standards sowie durch die Bereitstellung von einwandfreiem Trinkwasser verhindert werden können.
Um solchen Eskalationen vorzubeugen haben sich viele Hilfsorganisationen, so auch die Mitglieder des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft, dazu entschlossen, ihre Arbeit an bestimmte Kodizes zu binden. Dadurch sollen gemeinsam festgelegte Richtlinien zur Qualitätssicherung und -verbesserung befolgt werden. Im Folgenden werden einige der Kodizes im Detail erläutert:
Code of Conduct
Mitte des Jahres 1994 verständigten sich das Internationale Rote Kreuz, die Rote Halbmond-Bewegung und acht der weltweit größten Hilfsorganisationen, einen gemeinsamen Standard zur Sicherung der Qualität der humanitären Hilfe festzulegen. Die beschlossenen Richtlinien sollten eine gemeinsame Basis für die stetig wachsende Anzahl an Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bilden. Der Code of Conduct ist somit ein Verhaltenskodex für humanitäre Hilfe mit der Zielsetzung, Standards für Hilfsaktionen zu setzen und deren Qualität zu verbessern.
An erster Stelle des Kodex steht der humanitäre Imperativ – die moralische Pflicht, menschliches Leid zu verhindern. Die geleistete Hilfe darf nicht durch ethnische, religiöse oder nationale Aspekte beeinflusst werden, sondern orientiert sich ausschließlich am Grad der Bedürftigkeit. Zudem steht der Code of Conduct für politisch unabhängiges Handeln: Die Hilfsorganisationen unterstützen weder politische noch religiöse Standpunkte und lassen sich nicht für politische Absichten der Regierung instrumentalisieren.
Die Hilfsorganisationen werden nur in Ländern tätig, in denen die lokalen Strukturen die nötigen Hilfsleistungen nicht leisten können und die Bevölkerung von ausländischen Hilfseinsätzen abhängig ist. Allerdings ist es ein festes Ziel, nicht in die bestehenden sozialen Netzwerke zu stark einzuwirken und keine Abhängigkeiten entstehen zu lassen.
The Sphere Project
1997 entwickelten eine Reihe humanitärer Hilfsorganisationen dieses Handbuch zur effizienteren und transparenten Gestaltung der Nothilfe. Im Jahr 2000 erschien das Sphere-Handbuch erstmals auf dem Markt. Das Werk basiert unter anderem auf den schon festgelegten Regeln des Code of Conduct (s.o.) und der Humanitarian Charter, entwickelt diese jedoch weiter. Die Humanitarian Charter ist ein Leitfaden für Hilfsorganisationen und gründet unter anderem auf den Genfer Konventionen, dem Menschenrechtsabkommen und dem Internationalem Flüchtlingsrecht.
Sphere basiert auf zwei grundsätzlichen Überzeugungen: Erstens sollen alle nur möglichen Schritte eingeleitet werden, um menschliches Leiden, entstanden durch Elend oder Konflikt- situationen, einzudämmen. Zweitens soll jeder Mensch, der von einer Notsituation betroffen ist, das Recht auf menschen- würdige Lebensbedingungen und somit auch das Recht auf Nothilfe haben. Das Handbuch legt Standards für fünf Bereiche der Nothilfe fest, namentlich Ernährung, Nahrungsmittel- versorgung, Unterbringung, medizinische Dienste, Wasserversorgung und Hygiene.
Mittlerweile nehmen über 400 Hilfsorganisationen aus 80 Staaten am Sphere-Projekt teil. 2004 erschien eine neue Auflage des Handbuchs. Hier wurde zum einen ein weiterer Bereich den fünf bestehenden angefügt (Ernährungssicherung – food security), zum anderen wurden technische Neuerungen ergänzt und Vorschläge für den korrekten Umgang mit Kindern, alten Menschen, HIV-Kranken und Behinderten in Notsituationen formuliert.
Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe
Der Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe (KAHH) des Auswärtigen Amtes ist eine weltweit einzigartige Plattform für die institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen und teilnehmenden Ministerien der Bundesregierung. Der Ausschuss wurde 1994 gegründet und veranstaltet alle zwei Monate eine Zusammenkunft. Die Organisationen und Ministerien beschlossen die „Zwölf Grundregeln der Humanitären Hilfe im Ausland“, die die grundlegenden Vereinbarungen von Sphere und des Code of Conduct verkürzt darstellen.
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