- Themen
- Kinder in Not
- Natur- & Humanitäre Katastrophen
- Milleniumsziele
- Katastrophenvorsorge
- Gastkommentare
- Vergessene Katastrophen
- Klimawandel & Nothilfe
- Iglu-Klimagipfel-Event bei Biathlon WM
- Klimawandel betrifft afrikanische Hirtenvölker
- „Helfen hat viele Gesichter“
- ASB: dem Hunger von morgen vorbeugen
- Qualitätssicherung in der Nothilfe
- 6. ExtremWetterKongress mit ADH
- Studie zu Klimawandel und Migration
- 200 Millionen Klimaflüchtlinge
- Klima-Katastrophen und Vertreibung aus Städten
- Katastrophen, Konflikte und Klimaflüchtlinge
- Wenn wir Glück haben, werden wir leben
- Fotostrecke zum Klimawandel
- Die zerstörerische Kraft des Wassers
- Der Klimawandel und die Folgen für die Nothilfe
- Katastrophen-Fonds: Wichtiges Instrument
- Wirbelstürme und ihre Zerstörungskraft
- Ergebnis von Kopenhagen beeinflusst humanitäre Hilfe
- Dürren: Die schleichenden Naturkatastrophen
- Aktionen zum Klimawandel
- VORSORGE ist besser als NACHSORGE
- Schlaglichter
- Hilfe hat ein Gesicht
- Armut
Spendenkonto & Spenden-Telefon
Spendenkonto: 10 20 30
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00
Spenden-Stichwort: Westafrika/Sahel
Spendenhotline: 0900 55 10 20 30
(Festnetz kostenfrei, mobil höher)
Charity-SMS: adh10 an die 8 11 90 senden (10 € zzgl. üblicher SMS-Gebühr, 9,83 € gehen direkt an Aktion Deutschland Hilft)
Online-Spenden: zum Spendenformular
Klimawandel & Nothilfe
Wenn wir Glück haben, werden wir leben

Eine Bangladeschi und ihre Begegnung mit dem sich wandelnden Klima
Mumtaz wusste, dass ein Sturm aufziehen wird. Seit Taqen schon schwirrten die Unwetterwarnungen durch die Medien, und die Sorgen von Mumtaz, einer 34 Jahre alten Fischerin, wurden von Stunde zu Stunde größer. Doch wie schlimm, wie verheerend, wie todbringend es dann tatsächlich kommen sollte, das ahnte weder Mumtaz, noch die anderen Bewohner Katachiras, einem Dorf im südwestlichen Bangladesch. Es kam Sidr.
„Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern fegte der Zyklon Sidr am Abend des 15. November über die Küste Bangladeschs“, vermelden die Nachrichten im fernen Mitteleuropa. Und sprechen gleichzeitig von einer meterhohen Sturmflut, die Sidr vor sich her peitscht. Binnen Minuten stehen die spärlichen Behausungen in Katachira unter Wasser. Von allen Seiten dringen die Fluten auch in die Hütte von Mumtaz ein – und zwingen die Frau zum Handeln. Eilig greift sie nach dem Arm ihres zweieinhalbjährigen Sohnes, rennt hinaus und hält panisch Ausschau nach einem sicheren Unterstand. Ohne Erfolg. Stattdessen finden sich Mutter und Sohn wenig später in einer reißenden Strömung wieder. Geistesgegenwärtig ergreift Mumtaz einen vorbeischwimmenden Ast und stemmt sich mit aller Kraft gegen die Naturgewalt, während sie ihren Jungen mit der anderen Hand fest umklammert hält. Doch die Strömung ist zu stark: Das Kind wird ihr aus den Armen gerissen. Und verschwindet in den Fluten.
Erst am nächsten Tag wird der Junge in drei Kilometer Entfernung gefunden. Tot. Mumtaz Sohn ist damit einer von rund 3300 Menschen in Bangladesch, die diesen schicksalsträchtigen 15. November 2007 nicht überleben sollten. Mumtaz hat überlebt, wie durch ein Wunder. Genauso wie ihre beiden älteren Söhne, sechs und zehn Jahre alt, sowie ihr Ehemann, der mit einem Beinbruch davonkam. Mehr als das nackte Überleben blieb der Familie jedoch nicht, alle vier schlafen im Freien, neben einigen Holzbrettern, den Überresten ihrer Hütte.
Wenngleich einzelne Naturkatastrophen wie der Zyklon Sidr nicht unmittelbar und ausschließlich auf den Klimawandel zurückzuführen sind, so hat dieser doch eindeutig die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen in vielen Regionen der Welt erhöht.
„Der Anteil des Klimawandels lässt sich unter anderem daran erkennen, dass die Schäden durch wetterbedingte Naturkatastrophen wie zum Beispiel Überschwemmungen viel schneller steigen als die Schäden durch andere Katastrophen wie etwa Erdbeben“, sagt Dr. Martin Füssel vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Dabei treffe der Wandel in erster Linie die Armen. „Zum einen leben arme Menschen häufig in Gebieten, die Naturgefahren besonders stark ausgesetzt sind. Und zum anderen haben sie meist weniger Möglichkeiten, die Folgen von Naturkatastrophen zu bewältigen.“
Füssel meint Menschen wie Mumtaz. Menschen, die nichts zu den dramatischen Verschiebungen des globalen Klimas beigetragen haben, nun aber massiv darunter leiden müssen – bis zum Verlust des eigenen Kindes, der aufgebauten Existenz, der Hoffnung und der Lebensfreude.
Die Schäden im Dorf Katachira sind immens: Aufgedunsene Viehkadaver liegen am Flussufer, Fischerboote wurden in Stücke gerissen, der Marktplatz ist nicht mehr vorhanden. Die internationale Hilfe erreicht die Menschen in Katachira anfangs nur spärlich: Helfer liefern ein Kilo Reis, etwas Zucker und Öl – eine Ration, die für drei Familien reichen muss. Außerdem quält die Menschen Durst, die Brunnen sind durch das Meerwasser versalzen, Mumtaz und ihren Nachbarn bleibt nichts anderes übrig, als das Brackwasser aus einem nahe gelegenen Teich zu trinken. „Wenn wir viel Glück haben“, sagt Mumtaz, „dann werden wir leben“.






