Klimawandel und Nothilfe
VORSORGE ist besser als NACHSORGE

DIPECHO Journalistenreise zum Thema Katastrophenprävention nach Indien
In Zeiten des Klimawandels und stetig zunehmender Naturkatastrophen mit immer schwerwiegenderen Ausmaßen ist das nicht mehr nur Nothilfephase oder Wiederaufbau: Die Katastrophenprävention wird ein immer wichtigerer Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit.
Das Wasser nimmt den Menschen Alles – Jedes Jahr aufs Neue
August 2007: In Nordindien sowie den benachbarten Ländern Bangladesh und Nepal sind mehr als 20 Millionen Menschen von den stärksten Überflutungen seit 20 Jahren betroffen. Ganze Städte und Dörfer werden durch die Fluten verwüstet. Es trifft Männer, Frauen und Kinder, die sowieso schon zu den ärmsten der Armen Indiens gehören.
Die jährliche Regenzeit in Südasien und die damit verbundenen Überflutungen haben katastrophale Ausmaße. Angesichts des weltweiten Klimawandels ist zu erwarten, dass die Auswirkungen der jährlich wiederkehrenden Regenfälle auch in Zukunft immer dramatischer werden.
Allerdings sind es auch sozial bedingte Defizite, die aus einem Naturereignis erst eine Naturkatastrophe machen:
September 2008: Mehrere Millionen Menschen in Nordindien fliehen vor den Wassermassen aus Nepal. Allein in Bihar, das als einer der Ärmsten Bundesstaaten Indiens gilt, sind drei Millionen Menschen betroffen: Der Fluß Kosi ändert aufgrund eines gebrochenen Damms in Nepal, dessen Instandhaltung versäumt worden war, seine Laufrichtung und tritt über die Ufer. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern reißen die Wassermassen völlig unvorbereitet ganze Dörfer mit sich.
Naturkatastrophen sind keine unvermeidbaren, hinzunehmenden Ereignisse
ADRA und Malteser International arbeiten seit Jahren in Indien. Auch bei den Überflutungen in den Jahren 2007 und 2008 leisteten beide Organisationen effektive Nothilfe – Die verheerenden Auswirkungen und die Tatsache der immer wiederkehrenden Naturereignisse zeigten deutlich: akute Nothilfe und der Wiederaufbau reichen hier nicht aus, um die Bevölkerung nachhaltig zu stärken: In Regionen wie z.B. in Nordindien, wo viele Faktoren wie Armut, Naturgewalten und Auswirkungen des Klimawandels zusammen kommen und die humanitäre Probleme beschleunigen, ist die Katastrophenprävention zu einer eminenten humanitären Aufgabe geworden.
Das Amt für Humanitäre Hilfe der Europäischen Gemeinschaft (ECHO) hat diese Wichtigkeit erkannt und 1996 ein spezielles Programm, DIPECHO entwickelt – Ein Programm, das Katastrophenprävention zu einem festen Bestandteil der Humanitären Hilfe macht. Aus den Maßnahmen der ersten Nothilfe sowie umfassenden Bestandsaufnahmen haben ADRA und Malteser mit der finanziellen Unterstützung von ECHO Projekte zur Katastrophenprävention entwickelt. Die Projekte die die EU durch diese DIPECHO Programme finanziert, beinhalten einfache, preiswerte Vorsorge Maßnahmen, die meistens durch die Dorfbevölkerung selbst implementiert werden und dadurch extrem effektiv sind. DIPECHO Projekte basieren typischerweise auf Training, Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, Aufbau neuer Strukturen bzw. Ausbau bestehender Kapazitäten, Bewusstseinsbildung für Katastrophenvorsorge, Etablierung oder Verbesserung bestehender Frühwarnsysteme und Ausarbeitung von Notfall- und Evakuierungsplänen.
Die Betroffenen führen die Programme selber durch
Wie diese Präventionsmaßnahmen in den Flutregionen Indiens umgesetzt werden und dass die Einbindung der Bevölkerung dabei eine wichtige Rolle spielt, konnten die drei Journalisten aus Deutschland während ihrer Besuche der ADRA und Malteser-Projekte in den Bundestaaten Bihar (ADRA) und Uttar Pradesh (Malteser) erleben. Denn neben Gefahrenkartierung und Planung und Implementierung von Frühwarnsystemen ist Bewusstseinsbildung und Aufklärung ein wichtiger Arbeitsbereich der Bündnispartner vor Ort.
So besuchte die deutsche Delegation z.B. Trainings für die Erste Hilfe, eine Straßentheater-Vorstellung zur Aufklärung über das richtige Verhalten im Notfall sowie eine Schulstunde – hier lernen schon die Kleinsten, was bei einer Flut oder einem Erdbeben zu tun ist. In Diskussionsrunden aber auch persönlichen Gesprächen berichteten die Dorfbewohner von Ihren Problemen aber auch von den Verbesserungen ihrer Lebenssituation durch die Unterstützung des DIPECHO-Programms.
Neben dieser Mikroebene ist es aber auch die Überzeugungsarbeit der Regierungen, damit diese die Arbeit der Hilfsorganisationen in ihre Regierungspläne einbinden und die Einbindung von Multiplikatoren durch z.B. Kommunikation mit lokalen Medien, die die Arbeit der Katastrophenprävention flankieren müssen. In Gesprächsrunden mit indischen Medienkollegen konnten sich die deutschen Vertreter austauschen und bei Besuchen der jeweiligen Bezirksregierungen wurden auch mal kritische Fragen zur Situation des Regierungsbezirkes gestellt.
Vorsorge ist besser als Nachsorge
Nach sieben Tagen in den DIPECHO-Projekten im Nordosten von Indien war der Reisegruppe aus Deutschland klar: Hier leben die ärmsten Menschen des Landes; Jedes Jahr aufs Neue besteht die Gefahr, dass diese Männer, Frauen und Kinder das Wenige, das sie besitzen verlieren; jedes Jahr aufs Neue besteht die Gefahr nicht nur die Lebensgrundlage zu verlieren, sondern auch selbst zum Opfer der Fluten zu werden. Nothilfe und Wiederaufbau sind immer noch wichtig, aber präventive Maßnahmen sind ebenfalls unabdingbar geworden: Katastrophenprävention und durch ECHO finanzierte Projekte die Vorsorge-Arbeit von ADRA und Maltesern in Indien, aber auch anderen Bündnispartnern von Aktion Deutschland Hilft auf der ganzen Welt brauchen weiterhin Unterstützung, um die Anfälligkeit der Betroffenen zu verringern und somit langfristig Todesopfer und immer wiederkehrendes Leid eindämmen zu können.
Aktion Deutschland Hilft, das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die weltweite Nothilfe:
Spenden-Stichwort: Nothilfe weltweit
Spendenkonto: 10 20 30
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
IBAN DE29370205000008322501, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30
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