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Klimawandel
Klimawandel betrifft afrikanische Hirtenvölker

Konkurrenz um Wasser und Weideland steigt
Mit Zelten und Vieh auf Wanderschaft
Chanya steht mit dem Sonnenaufgang auf. Sie und ihre Familie wollen die kühlen Morgenstunden nutzen, um ihre „Zelte“ abzubauen und ihr gesamtes Hab und Gut zusammenzupacken. Chanya macht mit ihrer Familie keinen Campingurlaub an der Ostsee, sie lebt in Kenia und ist Nomadin. In Zelten zu schlafen und weite Strecken zu wandern, ist für sie Alltag. Manchmal legt sie an einem Tag 50 Kilometer zurück, ohne sich dabei in der kargen Landschaft Afrikas zu verlaufen. Sie kennt die Pfade, die für uns unsichtbar erscheinen.
Nomadismus ist eine mobile Form des Zusammenlebens und Wirtschaftens, die auf Viehzucht basiert. Diese Hirtenvölker wandern mit ihrem Vieh und dem gesamten Hausrat das ganze Jahr über weite Strecken auf der Suche nach Weideland. Wann sie weiterziehen und wohin, hängt dabei von den jahreszeitlichen und klimatischen Bedingungen ab. In Afrika müssen sich Nomaden beispielsweise nach dem Regen richten.
Es gibt auch Halbnomaden, die längere Zeit mit ihren Viehherden auf fruchtbarem Weideland sesshaft werden. Dazu bauen sie sich einfache Unterkünfte aus Ästen, Lehm und Gras. Doch auch sie verlassen irgendwann ihre Hütten und ziehen weiter.
Das Vieh, meistens Schafe und Ziegen, sind die Ernährungsgrundlage der Hirtenvölker und liefern außerdem den Rohstoff für Kleidung, Geräte und Wohnung. Da Nomadenfamilien immer unterwegs sind, muss ihre Unterkunft transportabel und schnell auf- und abbaubar sein. Zelte sind daher die ideale Behausung. Feldbau wird nur äußerst selten und unregelmäßig betrieben (ebenfalls abhängig vom Regen). Benötigen die Hirten pflanzliche Lebensmittel, um beispielsweise Brot zu backen, tauschen sie diese ein oder kaufen sie von der sesshaften Bevölkerung, die Ackerbau betreibt.
Nomaden sind nicht unbedingt arm
Ein Forschungsbericht von World Vision zeigt, dass nomadische Hirtenvölker nicht unbedingt ärmer sein müssen als die dauerhaft sesshafte Bevölkerung. Der Studie zufolge ist die Armutsrate in solch ökologisch fragilen und trockenen Regionen am höchsten, in denen es keine nomadischen Aktivitäten gibt.
Das liegt laut World Vision daran, dass der Lebensstil der Nomadenfamilien flexibel genug ist, um sich extremen Veränderungen der Umwelt (z. B. Klimawandel) anzupassen. Während nomadische Hirtenvölker mit ihrem Vieh weiterziehen können, wenn eine Weide kein Futter mehr bietet, ist die sesshafte Bevölkerung in einer solchen Situation auf andere Futterquellen angewiesen. Stehen solche Alternativen nicht zur Verfügung, kann das Vieh im schlimmsten Fall verhungern, und mit ihm seine Besitzer.
Zudem zeigt die Studie, dass Nomaden, die sich in der Nähe von kleinen Städten aufhalten oder an diesen vorbeiziehen, Aushilfsarbeiten übernehmen. So können sie zusätzlich zu Viehzucht und –handel Geld verdienen, von dem sie pflanzliche Lebensmittel oder weitere Tiere kaufen können. Menschen, die verschiedene Möglichkeiten haben, ihre Lebensgrundlage zu sichern, sind weniger anfällig für Katastrophen wie die Dürreperiode 2011 in Ostafrika. Und doch brauchen auch viele Nomaden am Horn von Afrika unsere Hilfe, insbesondere wenn es um Wasser- und Weidemanagement, sowie eine vorausschauende Vermarktung des Viehs geht.
Nomadenstämme bewegen sich in einem Teufelskreis
Der Klimawandel bringt für die nomadische Bevölkerung in Ostafrika große Probleme mit sich: unbeständiger und unvorhersehbarer Regenfall und längere Trockenperioden in immer kürzeren Abständen. Dürre und Flut werden zur Klima-Normalität.
Afrikanische Stämme, die seit Generationen vom Niederschlag abhängig sind, wissen sehr genau, wann, wo und wie viel es regnen wird. Doch in den letzten Jahren können sie sich auf dieses Wissen nicht mehr so recht verlassen. Es regnet seltener, unregelmäßiger, kürzer, weniger oder gar nicht. Die Zeit zwischen den Regenfällen wird länger und heißer, zehrt an den Kräften von Mensch und Tier.
Der Zugang zu den natürlichen Ressourcen – Wasser und Weideland – wird durch rasantes Bevölkerungswachstum und die Privatisierung von Land erschwert. Die Konkurrenz der nomadischen Hirtenvölker untereinander, sowie die Konkurrenz mit Landwirten um diese Ressourcen führen nicht selten zu Konflikten, teilweise bewaffneter Art. Manche Regionen in Ostafrika sind jetzt schon zu unsicher, um sie mit Herde und Familie zu durchqueren, wodurch die Konkurrenz um die übrigen Pfade und Flächen noch steigt: Ein Teufelskreis!
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