Klimwandel & Nothilfe
Dürren: Die schleichenden Naturkatastrophen

Dürreperioden beschäftigen die Menschheit seit über Tausenden von Jahren, so zum Beispiel im Jahre 2200 v. Chr. im Niltal, als eine jahrelange Dürreperiode die regelmäßigen Überschwemmungen der Agrarflächen aussetzen ließ. Die Felder wurden somit unfruchtbar; die von der Ernte abhängigen Menschen im Nildelta fielen zu Tausenden dem Hungertod zum Opfer.
Doch womit hängt die Entstehung von Dürreperioden zusammen? Unter Klimawissenschaftlern ist es derzeit umstritten, ob man dem Klimawandel bei Dürren eine ähnlich große Rolle zumessen sollte wie etwa bei Starkniederschlägen. Zumindest als Einzelereignis können Dürren nicht direkt dem fortschreitenden Klimawandel zugeordnet werden. Doch als gesamte Entwicklung betrachtet, zählt man Dürren gemeinsam mit anderen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Tsunamis oder Wirbelstürme durchaus zu den Effekten des Klimawandels.
Generell handelt es sich bei einer Dürre um eine ernsthafte Störung des hydrologischen Gleichgewichts, also um Schwankungen der Atmosphäre und des Wasserhaushaltes. Die Schwere einer Dürre steht in Abhängigkeit mit der Wasseraufnahme- und Wasserbindefähigkeit des Bodens, der Länge der anhaltenden Dürreperiode und dem Grad des Wassermangels.
Eine Dürreperiode stellt sich sehr schleichend ein; den genauen Anfang kann man zeitlich kaum festlegen. Erst durch die gravierenden Auswirkungen auf Bevölkerung, Landwirtschaft, Ökologie und Wirtschaft wird das Ausmaß der langen Trockenperiode in voller Bandbreite sichtbar. Aus wissenschaftlicher Sicht unterscheidet man drei verschiedene Arten von Dürren:
- Die hydrologische Dürre bezeichnet das Sinken der Wasserreserven in Seen, Sammelbecken oder Wasserspeichern unter einen bestimmten statistischen Durchschnittswert.
- Die so genannte meteorologische Dürre gibt unterdurchschnittliche Niederschlagswerte über eine längere Periode an.
- Landwirtschaftliche Dürre ist zu verzeichnen, wenn das Wasservorkommen für eine durchschnittliche landwirtschaftliche Produktion von pflanzlichen Agrargütern nicht mehr ausreichend ist.
Jahrelange Dürreperioden durch fehlende Gegenmaßnahmen
Die Ausmaße einer Dürre werden in nicht betroffenen Ländern vielerorts unterschätzt; oftmals ziehen andere Katastrophen wie Überflutungen oder Wirbelstürme durch aufwühlende Bilder größere Aufmerksamkeit auf sich. Doch auch ohne diesen sensationellen Anteil dürfen Dürren keinesfalls heruntergespielt werden. Alleine im 20. Jahrhundert starben Millionen Menschen während teilweise jahrelanger Dürreperioden.
Mädchen in einem Zeltlager Auch durch lang anhaltendes Fehlverhalten der Bevölkerung können Dürren verschlimmert werden: So werden Dürreperioden immens verschärft durch unvorteilhafte Agrarpolitik wie eine Überbeanspruchung des Bodens durch Übernutzung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, eine zu intensive Tierhaltung (Überweidung), ein strategisch ungünstiger Bau von Staudämmen, der den Flüssen das nötige Wasser verwehrt oder eine starke Rodung und Zerstörung von Waldgebieten. Dadurch wird die Wüstenbildung zusätzlich vorangetrieben. Auch eine falsche Siedlungspolitik, durch welche die betroffenen Gebiete konsequent überbevölkert werden, verschlimmert eine Dürreperiode zunehmend.
Zudem sind in den gefährdeten Gebieten oftmals keine Hilfs- oder Präventivmaßnahmen vorhanden. Nützlich sind unter anderem die Anlegung von Wasserreservoirs, Zisternenwagen und Wasserpumpen, die die Grundversorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser gewährleisten. Auf politischer Ebene wäre die gezielte Information der Landwirte, um der möglichen Überbelastung des Bodens entgegen zu wirken, sinnvoll – genauso wie Programme, um der Überbevölkerung entsprechender Orte vorzubeugen.
Gravierende Folgen für die Bevölkerung
Wassermangel ist eine der ersten und folgenreichsten Entwicklungen während einer Dürreperiode. Die betroffenen Menschen in den Krisengebieten leiden unter beschränkten Produktionsbedingungen, Bodenversalzung und Missernten, die sich ohne entsprechende Hilfe zu Hungerkatastrophen zuspitzen und zu erhöhten Preisen in der Wirtschaft führen. Dies bedroht vor allem ärmere Volkswirtschaften, die überwiegend agrarisch strukturiert und auf die Selbsterzeugnisse angewiesen sind.
Darüber hinaus sind Flora und Fauna in ihrer Artenvielfalt durch die veränderte klimatische Lage bedroht, vor allem in Gewässern: Hier erwärmen die mit der Dürre meist einhergehenden erhöhten Temperaturen das Wasser, der Gehalt an gelösten Stoffen wird erhöht, der Sauerstoffgehalt nimmt ab. Zudem wird oft Wasser für Bewässerungszwecke entnommen, sodass der Pegel weiter sinkt.
Vor allem afrikanische Länder entlang der Sahelzone hatten besonders unter Dürreperioden und damit verbundenen Ernteausfällen zu leiden. Während den 1970er und 1980er Jahren erstreckte sich jahrelang eine Hungersnot über die afrikanischen Staaten. Besonders betroffen waren Äthiopien, der Sudan und der Niger, deren innenpolitische Versorgungsengpässe zusätzlich durch politische Instabilität verstärkt wurden. Die Auswirkungen waren katastrophal: So waren in Äthiopien Mitte der 80er Jahre über acht Millionen Menschen ohne ausreichende Nahrungsmittel, was durch Heuschreckenplagen in den darauffolgenden Jahren besonders verschärft wurde.
Doch auch im 21. Jahrhundert werden die Nahrungsmittelengpässe nicht weniger – sowohl durch Dürren als auch durch andere Naturkatastrophen, Missernten oder nicht nachhaltiges Wirtschaften: Allein 2005 hatten 25 Millionen Afrikaner keine ausreichenden Nahrungsmittel zur Verfügung und mussten Hunger leiden. Laut Zahlen der UN-Umweltorganisation UNEP verdreifachten sich die Nahrungsmittelengpässe seit den 80er Jahren in Afrika. Darüberhinaus sterben jährlich fünf Millionen Kinder weltweit an Mangelernährung.
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