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Die Lage im Land – aus Sicht von Esther

Das Dorf Chirikure und der erste Hoffnungsschimmer

Simbabwe Notruf HIV – drei Buchstaben, die für eine ebenso unerbittliche wie grausame Viruserkrankung stehen. Eine Viruserkrankung, die dort, wo die 32-jährige Esther Madambi lebt, zum Alltag der Menschen gehört. Im Zaka-Bezirk von Simbabwe, leiden 43 Prozent der Einwohner unter dem HI-Virus. Esther glaubt, dass die meisten Betroffenen die Krankheit auf dieselbe Art und Weise bekommen haben. „Das erste Problem ist, dass die Menschen zu viele Partner haben“, sagt Esther. „Und das zweite Problem ist, dass zu viele junge Männer in kleinen Häusern schlafen“ – eine örtliche Redewendung, die sich auf junge Frauen bezieht.

 

Als Esther vor zwei Jahren von ihrem Dorf Chirikure in die Stadt Masvingo reiste, um Gemüse zu verkaufen, traf sie auf einen Mann – und ließ sich auf ein Abenteuer mit ihm ein. „Er verschwand, als ich schwanger wurde“, erzählt sie. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Ropafadzo wurde Esther krank, so schwer, dass sie nicht mehr arbeiten konnte. Sie wollte zurück nach Hause, konnte jedoch das Geld für die lange Reise nicht alleine aufbringen. Eine lokale Kirche finanzierte ihr schließlich die Fahrt nach Chirikure. Die Krankheit schritt so schnell voran, dass sie sich selbst, ihr Baby und ihre wenigen Habseligkeiten kaum in den Bus hieven konnte.

 

Drei Stunden später war Esther so erschöpft, dass sie den Bus nicht alleine verlassen konnte. Mitreisende halfen ihr an den Straßenrand und schickten eine Nachricht an ihre Tante, die bitterlich weinte, als sie Esthers ausgemergelten Körper sah. „Sie erkannte mich nicht wieder“, sagte Esther. Die kranke Frau und ihr Neugeborenes wurden für den letzten, eine Meile langen Streckenabschnitt auf eine Schubkarre geladen.

 

Kurz nach ihrer Rückkehr hörte Esther von einem „Treffen für kranke Menschen“, welches sie – gestützt auf einem Gehstock – umgehend aufsuchte. Das Treffen war eine von CARE ins Leben gerufene Gemeinde-Diskussion über HIV und AIDS; auch die Möglichkeiten der Heimbetreuung wurden angesprochen. Die Projektleiter der Hilfsorganisation überzeugten Esther schnell, diese Chance wahrzunehmen – woraufhin sie von CARE-Mitarbeitern besucht und gemeinsam mit ihrer Tante über die Grundlagen der Heimbetreuung aufgeklärt wurde.

 

Die Betreuten werden von CARE in grundlegenden Hygiene- und Pflegepraktiken geschult, was auch die Beschaffung von Wasser und Feuerholz beinhaltet. Sie kommen zwei oder drei Mal die Woche vorbei und bringen Nahrungs-, Desinfektions- und Schmerzmittel sowie Antibiotika vorbei. Laut dem CARE-Mitarbeiter David Majagira ist es von zentraler Bedeutung, dass die chronisch Kranken emotionale Unterstützung erfahren. „Die meisten Patienten sind bettlägerig und abgeschnitten von der Außenwelt. Sie werden schnell depressiv. Daher schulen wir unsere Pflegekräfte darin, wie sie den Geist der Patienten fit halten können.“

 

Seit Beginn des Programms vor zwei Jahren hat CARE fast 600 „Home Based Care“-Betreuer ausgebildet – insgesamt konnte 3400 Kranken geholfen werden. „Wir haben das Modell dieses Programms von einer anderen Nichtregierungsorganisation übernommen“, sagt Majagira. „Die Menschen die wir ausbilden, arbeiten sehr hart daran, das Stigma und die Isolation der Betroffenen zu reduzieren. Mit HIV infizierte Menschen dürfen keinesfalls ausgegrenzt werden.“ Der Bedarf an solchen Programmen sei jedoch weit höher, als man ihm entsprechen könne – Simbabwes Infektionsrate liegt bei über 20 Prozent. Majagira: „Wir haben aber einfach nicht genug Geld“.

 

Esther fühlt sich inzwischen viel besser. Eine lokale Klinik erwägt, sie mit anti-retroviralen Medikamenten zu versorgen. „Ohne die Hilfe von CARE wäre ich jetzt tot“, sagt sie. Mittlerweile jedoch ist Esther Madambi wieder „voller Hoffnung“. Sie träumt davon, eines Tages vielleicht Lehrerin zu werden und ein kleines Einkommen zu erzielen – um ihrer siebenjährigen Tochter Ropafadzo ein gutes Leben bieten zu können.