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Der
verheerende Tsunami, der Ende des Jahres 2004 über 230.000 Menschen das Leben
gekostet hat, war Folge einer so genannten Subduktion. Allgemein gesagt, meint
Subduktion das Abtauchen von Erdkruste in den Erdmantel. Im konkreten Fall war
es die ozeanische Erdkruste, die sich von Westen nach Osten bewegte, mit der
Krustenplatte von Sumatra kollidierte und unter diese geschoben wurde. „Das
führte dazu, dass die Krustenplatte in Richtung Osten verbogen wurde und sich
vor der Küste Sumatras ein Tiefseegraben bildete“, erklärt Prof. Peter Bormann
vom Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ). Aufgrund der eben in Jahrzehnten
angesammelten Spannungen sei dieser Plattenkontakt am 26. Dezember 2004 aufgerissen
– und zwar auf einer Fläche von über 100.000 Quadratkilometern, was etwa der
Größe Portugals entspricht. Die Sumatraplatte schnellte daraufhin um etwa 13
Meter in Richtung Westen und löste das Seebeben mit der unglaublichen Stärke
von 9,3 auf der Richterskala aus. In der Folge breiteten sich nach allen Seiten
hin Wellenberge und –täler aus, die später auf die Küsten von zahlreichen
Ländern Asiens, aber auch Afrikas trafen und unermessliches Leid anrichteten.
Knapp 90
Prozent aller Tsunamis werden durch Erdbeben verursacht. Aber auch
Vulkanausbrüche, Erdrutsche unterhalb des Meersspiegels oder sogar Meteoriteneinschläge
können Tsunamis auslösen. Wie heimtückisch Tsunamis sind, zeigt die – vermutete
– Entstehung des japanischen Begriffs, der übersetzt „Hafenwelle“ bedeutet. „Tsunami“ soll von japanischen
Fischern geprägt worden sein, die bei ihrer Rückkehr vom Fischfang den Heimathafen
vollkommen verwüstet vorgefunden hatten – und das, obwohl sie auf offener See keine
Riesenwelle gesehen oder gespürt hatten. Grund: Auf dem offenen Meer liegt die Wellenhöhe meist noch unter einem Meter, die Wellenlänge,
gemessen von Kamm zu Kamm, ist dagegen mit 10 bis 100 Kilometern sehr groß. Die
Welle kann dabei Ausbreitungsgeschwindigkeiten bis zu 800 km/h annehmen (zum
Vergleich: Eine gewöhnliche Welle ist rund 90 km/h schnell). In Küstennähe
reduziert sich die Geschwindigkeit, während gleichzeitig die Wellenberge auf
Höhen von 10 bis sogar 30 Meter anwachsen.
Quelle: Münchener Rück
Drei Flutberge überschwemmten
Lissabon
Die
früheste schriftliche Erwähnung eines Tsunami datiert aus dem Jahr 479 v. Chr.,
wo von verheerenden Schäden in der nördlichen Ägäis berichtet wird. Im Jahr
1703 kam es in Japan zu einer Katastrophe, bei der rund 100.000 Menschen ihr
Leben ließen, während 1755 das Beben in Lissabon etwa 70.000 Opfer forderte –
die meisten davon ertranken, als drei Flutberge nacheinander die Mündung des
Tejo heimsuchten. In den 1990er Jahren kam es zwischen September 1992 und Juli
1993 in Nicaragua, Indonesien und Japan zu drei Tsunamis. Am 17. Juli 1998 riss
eine 15 Meter hohe Flutwelle rund 2500 Menschen in Papua-Neuguinea in den Tod.
Die
Gefahren, die ein Tsunami mit sich bringt, sind vielfältiger Natur: Bei der
Katastrophe Ende 2004 wurden viele Menschen durch die starke Strömung ins Meer
gespült. Unzählige Opfer ertranken, weil sie nicht schwimmen konnten oder nach
kurzer Zeit vollkommen erschöpft waren. Andere wurden von den hereinbrechenden
Fluten mitgerissen und von im Wasser treibenden oder festen Gegenständen
erschlagen oder zumindest schwer verletzt. Viele wurden auch von Gebäuden verschüttet,
die unter dem Druck des Wassers zusammengebrochen waren.
Nachdem
die Phase der unmittelbaren Nothilfe abgeschlossen waren, machten sich die
Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft im Jahr 2005 an die Bewältigung der
erheblichen Spätfolgen: Häuser, Schulen, Gesundheitszentren, Hafenanlagen,
Kanalisationen und Brücken wurden
wiederaufgebaut, landwirtschaftliche Nutzflächen instand gesetzt und Programme
zur Traumabewältigung ins Leben gerufen.
Die Staaten am Indischen Ozean haben nach der
Flutkatastrophe beschlossen, ein Tsunami-Frühwarnsystem einzurichten, das Ende
2008 installiert werden soll. Dabei handelt es sich um das „German
Indonesian Early Warning System“ (GITEWS), das im Auftrag der
deutschen Bundesregierung von einem neun Einrichtungen umfassenden
Konsortium getragen wird. Das Konzept fußt auf verschiedenen Arten von Messintrumenten
(Sensoren). Nach Angaben der GITEWS-Experten vergehen von der Entstehung eines
Tsunamis bis zum ersten Aufrollen der Welle auf die Festlandküsten von
Indonesien etwa 20 Minuten. In dieser Zeit können installierte Sensoren wie Erdbebenmessstationen, Küstenpegeln, Ozeanbojen
oder auf dem Meeresboden abgelassene Druckmesser frühzeitig Abweichungen vom
Normalzustand erfassen. Die Messdaten können dann in einem Warnzentrum in
Indonesien mit Tsunami-Simulationen abgeglichen werden – um im Gefahrenfall
eine möglicherweise lebensrettende Warnmeldung herauszugeben.
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