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Hilfstransporte sind überlebenswichtig. In akuten Situationen wie etwa nach Naturkatastrophen oder während politischer Krisen sind Hilfstransporte oft die einzige Möglichkeit, Not leidende Menschen vor Ort schnell mit dem Nötigsten zu versorgen. In den meisten Fällen werden die Hilfsgüter im Land selbst oder in der Region beschafft. Nur wenn es dort Engpässe oder zu starke Preissteigerungen gibt, werden Ausschreibungen in anderen Ländern gemacht.
Zwei Bündnispartner, die bei Bedarf auch Hilfsgüter aus Deutschland versenden, sind World Vision und ADRA. So organisierte World Vision Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 20 Transporte über See, über Land per Lkw und in der Luft. Die Organisation hat sich dabei auf Hilfsgüter spezialisiert, die für die Erhaltung der Gesundheit und zur Zubereitung von Nahrung wichtig sind und auch zur Grundausstattung von Notunterkünften genutzt werden können: insbesondere Planen, Decken, verpackte Küchen- und Hygienesets sowie Wasserkanister und Wasseraufbereitungsanlagen. Die Artikel stehen abholbereit in einem Lager in Frankfurt/Main.
In der Abteilung Katastrophenhilfe bei World Vision hält sich der Logistiker Daniel Ginsberg stets auf dem Laufenden, ob bei einer Katastrophe auf das Lager zugegriffen werden muss. „Wir haben ein Team vor Ort das uns berichtet, was genau benötigt wird“, erklärt Ginsberg. Und: „Wir schicken nichts, was nicht angefordert wird.“ Wenn das Signal kommt, muss er sofort reagieren. „Wir haben intern das Ziel, innerhalb von 72 Stunden mit den Gütern vor Ort zu sein“, betont Ginsberg. Oft sei man aber sogar schneller. Innerhalb von zehn Stunden könne er mit seinem Team die Materialien zusammenstellen, innerhalb von 24 Stunden kann ein Flieger – wenn alles glatt läuft – starten. Allerdings wird nur ein Drittel aller Hilfsgüter mit dem Flugzeug verschickt.
„Wir können nicht irgendeine Decke kaufen, nur weil sie flauschig aussieht“
Vom ersten Telefonat oder der ersten Email bis zum Abflug sind viele Schritte zu klären und zu erledigen. Jeder Transport muss minutiös logistisch geplant werden. Ein Frachtflugzeug wird gesucht und gebucht, gleichzeitig überprüft Ginsberg im Lager die vorhandenen Güter. Anschließend muss genau berechnet werden, wie die Fracht verpackt und mit welchem Gewicht abgeschickt werden kann. Ziel ist es, die Kapazitäten des Flugzeugs exakt zu nutzen. Bis zu 40 Tonnen Hilfsgüter transportiert eine Maschine – eine Menge, die etwa drei Lkw-Ladungen entspricht. Auch die Zollformalitäten nehmen einige Zeit in Anspruch.
In den Zeiten zwischen Katastrophen prüft World Vision Angebote internationaler Hersteller von Hilfsgütern, damit die Produkte den internationalen Standards für Hilfsgüter entsprechen und preisgünstig eingekauft werden können. „Wir können nicht einfach irgendeine Decke kaufen, nur weil sie so flauschig aussieht“, erklärt Ginsberg. Falls im Katastrophengebiet Artikel benötigt werden, die das World Vision-Lager nicht vorrätig hält, können andere Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft Güter in die Maschine mit aufladen –zum Beispiel Medikamente oder medizinische Geräte.
Alle Flüge von World Vision sind „One-way-Flüge“ – das heißt, der Flieger wird nur zum Zielort gechartert. Im Krisengebiet wird die Fracht auf Lkw verladen und weiter geschickt – wenn die Behörden vor Ort keine Probleme bereiten. „Mal funktioniert es gut, dann wieder nicht“, sagt Ginsberg. Nach dem Erdbeben in Pakistan etwa kamen die Güter ohne Probleme durch den Zoll und lagerte dann am Flughafen, bereit zum Abholen. „Aber um an die Produkte zu kommen, brauchten wir jeden Tag eine Genehmigung, die von sieben Personen unterschrieben werden musste“, erinnert sich Ginsberg, der den Hilfsflug begleitet hatte. Im Rückblick zählt aber dann alleine die Tatsache, dass die obdachlos gewordenen Familien dank der vereinten Anstrengungen den Winter überstanden haben.
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