Tsunami - fünf Jahre danach
"Build back better" CARE ist seit Jahrzehnten in Sri Lanka vertreten – und konnte
dadurch nach dem Tsunami schnell und effektiv helfen.
VORHER
Nachdem CARE im Jahr 1956 die Arbeit in Sri Lanka aufgenommen
hatte, lagen die Schwerpunkte zunächst in der Nahrungsmittelversorgung
sowie der Gesundheit von Müttern
und Kindern. In den frühen 90er Jahren ging man dazu über,
nicht alleine die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigen
zu wollen, sondern auch die Wurzeln von Armut und Ausgrenzung
zu bekämpfen. DIE KATASTROPHE
Noch am 26. Dezember 2004, und damit umgehend nach der
Katastrophe, versendete die Bonner CARE-Zentrale eine erste
Pressemitteilung. Titon Mitra, der damalige Nothilfe-Direktor
von CARE International in Sri Lanka, wurde darin in eindringlichen
Worten zitiert: „Die Situation vor Ort ist dramatisch.
Zahlreiche Regionen sind von der Außenwelt abgeschnitten,
und die Zahl der Opfer ist noch unüberschaubar. Vor allem die
Menschen an der Süd- und Ostküste Sri Lankas leiden große
Not und brauchen dringend Unterkünfte, Wasser, Nahrung
und medizinische Versorgung.“
Einer dieser Menschen, von denen Titon Mitra sprach, war die
34 Jahre alte Sriyani. Sie erinnert sich noch heute lebhaft an
den Tag der Katastrophe: „Ich wusste nicht, dass es sich um
einen Tsunami handelte“, erzählt sie. „Ich hörte nur einen ungeheuren
Lärm und als ich mich in Richtung des Meeres umdrehte,
sah ich so etwas wie einen Berg. Alle Menschen um
mich herum rannten plötzlich los – so auch ich.“ Kurz darauf
sei sie jedoch von der Welle erfasst und in ein Haus gespült
worden. Sie habe um Hilfe gerufen, doch niemand habe sie
gehört. „Dann sah ich wieder Menschen im Wasser, doch sie
konnten nicht schwimmen. Und ich sah einen Mann, der zwischen
zwei Brettern festklemmte. Er wurde zum Glück gerettet.
Und auch ich konnte mich in Sicherheit bringen – doch ich
hatte alles verloren.“
NACHHER Bereits in den ersten Stunden nach der Katastrophe wandten
sich zahlreiche Überlebende an CARE, deren Arbeit in Sri Lanka
seit den Anfängen bekannt und geschätzt ist. Deshalb konnten
CARE-Mitarbeiter schon kurz nach dem Tsunami erste Lebensmittel
und elementare Hilfsgüter an 32.000 Familien verteilen,
knapp 120.000 Betroffene wurden mit Trinkwasser und
sanitären Anlagen versorgt. In der Folge unterstützte CARE die
Menschen in den Bezirken Ampara, Batticaloa, Galle, Jaffna,
Hambantota, Mullaitivu und Trincomalee. Und auch im Dorf
Thambattai.
Thambattai ist eines jener unzähligen Dörfer in Sri Lanka, die
von der Flutwelle dem Erdboden gleichgemacht und in der
Folge an anderer Stelle wieder aufgebaut wurden. CARE hatte
am Wiederaufbau maßgeblichen Anteil. Auch Sriyani wohnt
in Thambattai. Und so kam es, dass Sriyani, ihr Mann Ranjan
und die beiden Kinder mit Hilfe von CARE ihre Zukunft neu gestalten
konnten. Immer mit dem Ziel „Build back better“ – den
Menschen soll es nach Abschluss der Projekte besser gehen
als vor der Katastrophe.
Zuallererst benötigte die Familie wieder ein Dach über dem
Kopf. Dafür erhielt sie umgerechnet rund 1500 Euro vom Staat
und weitere 1200 Euro von CARE. Damit sie auch wieder Geld
verdienen konnte, stellte die Hilfsorganisation Sriyani zudem
eine Reismühle sowie einen Mikrokredit in Höhe von 180 Euro
zur Verfügung. Das Geld investierte die 34-Jährige in eine kleine
Hühnerfarm. „Jeden Tag legen die Hühner 15 bis 20 Eier, die
ich dann verkaufen kann“, sagt sie. Umgerechnet 40 Euro verdiene
sie auf diese Weise im Monat, weitere 30 Euro kämen
durch den Verkauf des hergestellten Reismehls hinzu. 27 Euro
zahlt Sriyani Monat für Monat für die Tilgung des Mikrokredits.
Sriyani: „Mit diesem Einkommen ist es mir möglich, meinen
Kindern eine Ausbildung zu garantieren. Daher sind unsere
Lebensbedingungen ganz eindeutig besser als zuvor.“ Oder
kurz: „Build back better“. |